Schwarz-Gelb will AKW-Laufzeiten auf jeden Fall verlängern und für höhere Einnahmen sogar der Grundsatz „Sicherheit zuerst“ aufgegeben

Das energiepolitische Possenspiel der Bundesregierung um längere Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke hat aber auch gar nichts mit einer verantwortlichen Energie- und Wirtschaftspolitik zu tun. Allein die Frage wird behandelt, wie viele Jahre die Gelddruckmaschine „abgeschriebene Atomkraftwerke“ länger laufen soll.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern weiterhin den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und rufen auf zur zahlreichen Teilnahme an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September 2010 in Berlin.

Das Ergebnis der am Wochenende übergebenen Atomstudien als Basis für das angekündigte nationale Energiekonzept der Bundesregierung stand von vornherein fest: Es ging nicht darum, möglichst schnell in ein Zeitalter der erneuerbaren Energien zu gelangen oder die Sinnhaftigkeit des Atom-Kompromisses aus dem Jahr 2001 zu prüfen. Tatsächlich ging es ausschließlich um die Frage: Wie viele Jahre soll die Gelddruckmaschine „abgeschriebene Atomkraftwerke“ länger laufen? Insofern darf auch bei dem jetzigen Gerangel zwischen den verschiedenen Flügeln von Schwarz-Gelb nicht vergessen werden, dass die Bundesregierung die AKW-Laufzeiten auf jeden Fall verlängern will.

Wenn jetzt der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Joachim Pfeiffer 20 Jahre längere AKW-Laufzeiten fordert, muss berücksichtigt werden, dass er seit vielen Jahren eng mit dem Atomkonzern EnBW verbunden ist. Wenn jetzt der energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thomas Bareiß den Umweltminister warnt, keine „überzogenen“ Sicherheitsanforderungen zu stellen, dann zeigt auch das erneut, um was es bei diesem Ablasshandel in Wahrheit geht: höhere Einnahmen durch längere Laufzeiten. Sogar der Grundsatz „Sicherheit zuerst“ wird dafür aufgegeben.

Der Atom-Konsens von 2001 war für die Umweltverbände nicht leicht, wollten sie doch deutlich kürzere Laufzeiten. Er wurde damals nur akzeptiert, weil die Atomwirtschaft besonders privilegierte Rechte aufweist, die mit den Regeln des Marktes nichts zu tun haben. Vielmehr ist die Atomwirtschaft nach 1956 gleichsam in einem geschützten Raum entstanden. Denn die Wurzeln der Atomenergie liegen nicht etwa in der Energiewirtschaft, sondern im militärischen Bereich.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern weiterhin den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und kritisieren noch einmal dieses energiepolitische Possenspiel. Es hat aber auch gar nichts mit einer verantwortlichen Energie- und Wirtschaftspolitik zu tun. An die Stelle einer vernunftorientierten Politik ist bei Schwaz-Gelb die pure Ideologie getreten.

Deshalb wird der gesellschaftliche Kampf um den Atomausstieg schärfer werden: Die NaturFreunde Deutschlands rufen gemeinsam mit vielen Organisationen zur zahlreichen Teilnahme an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September 2010 in Berlin auf: Schluss jetzt mit der Atomkraft, damit das Pokerspiel um unsere Sicherheit endlich beendet wird!

Mehr Informationen zur Anti-Atom-Demo: www.anti-atom-demo.de

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Die Atomenergie spaltet unsere Gesellschaft – schwarz-gelbe Trickserei bei den Energieszenarien schadet unserem Land

Die am Wochenende übergebenen Energieszenarien als Basis für das angekündigte nationale Energiekonzept der Bundesregierung gehen alle von dem einen Ziel aus: Die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke (AKWs) sollen verlängert werden. Diese Studien sollten also nur klären, wie viel Geld eine Verlängerung abgeschriebener AKWs bringt und nicht etwa, wie unser Land möglichst schnell den Umstieg in eine Effizienzrevolution und die erneuerbaren Energien schafft. Dabei rechnen die Studien die Atomwirtschaft schön und die Alternativen schlecht: Selten istso verlogen argumentiert worden.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und rufen zur zahlreichen Teilnahme an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September 2010 in Berlin auf.

Die Bundesregierung hat beim atomfreundlichen Energiewirtschaftlichen Institut zu Köln (EWI) Studien bestellt, die alle von dem einen Ziel ausgehen: Die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke (AKWs) sollen verlängert werden. Offen war nur, ob um vier, zwölf, 20 oder gar 28 Jahre. Der Auftrag lautete also nicht, wie unser Land möglichst schnell den Umstieg in eine Effizienzrevolution und die erneuerbaren Energien schafft, sondern welche Summen eine Verlängerung abgeschriebener AKWs einbringt. Die Annahmen, die dafür sowohl in den Untersuchungen als auch im dazu gespiegelten Referenzszenario gemacht wurden, begünstigen nur die Atomwirtschaft und rechnen Alternativen schlecht. Das EWI, das vornehmlich für die großen Energiekonzerne arbeitet, ist genau dafür bekannt.

Es ist ein Teil des Deals mit den ideologischen Anhängern der Atomwirtschaft, dass renommierte Institute wie DLR, Fraunhofer oder DIW nicht in die Erarbeitung der energiepolitischen Szenarien einbezogen wurden. Diese Institute kommen in ihren Untersuchungen nämlich zu dem Ergebnis, dass sich in nur wenigen Jahren die Relationen zugunsten der erneuerbaren Energien verschieben werden. Die erneuerbaren Energien sind dann nicht nur preisgünstiger, sondern schaffen auch sehr viel mehr Arbeitsplätze als die Atomindustrie.

Dafür haben die EWI-Studien die Aufgabe, fragwürdige energiepolitische Ziele zu legitimieren, die schon vorher feststanden: nämlich die geplante Verlängerung der AKW-Laufzeiten um zehn bis zwölf Jahre. Dass bei noch längeren Laufzeiten den Bundesrat beteiligt werden muss, weiß auch die Bundesregierung: Die Bundesländer müssen dann gefragt werden, weil die Zwischenlager für den deutschen Atommüll nicht ausreichen. Somit wäre eine Einbeziehung des Bundesrates zwingend.

Selten zuvor ist so getrickst, selten zuvor so verlogen argumentiert worden. Es geht allein um Profite für Konzerne und um Einnahmen für den Staat. Mit einer verantwortungsvollen und zukunftsgerichteten Energiepolitik hat das nichts zu tun. Bundeskanzlerin Angela Merkel schadet unserem Land.

Doch der gesellschaftliche Kampf um den Atomausstieg wird weiter gehen: Die NaturFreunde Deutschlands fordern nach wie vor den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und rufen gemeinsam mit vielen Organisationen zur zahlreichen Teilnahme an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September 2010 in Berlin auf: Schluss jetzt mit der Atomkraft, damit das Pokerspiel um unsere Sicherheit endlich beendet wird!

Mehr Informationen zur Anti-Atom-Demo: www.anti-atom-demo.de

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Die Trickserei der schwarz-gelben Bundesregierung – Studie zum nationalen Energiekonzept beantworten falsche Fragen

Die Energieszenarien als Basis für das angekündigte nationale Energiekonzept von Schwarz-Gelb werden heute von einer Bietergemeinschaft aus PROGNOS, Energiewirtschaftlichem Institut an der Universität zu Köln (EWI) und Gesellschaft für Strukturforschung (GWS) der Bundesregierung übergeben. Diese Institute haben die volkswirtschaftlichen Effekte einer Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken (AKW) um vier, zwölf, 20 und 28 Jahren berechnet. Doch ging es dabei nicht etwa um den Umstieg in eine solare Zukunft. Stattdessen sollten allein die Vorteile eine Laufzeitverlängerung aufgezeigt werden. Diese Energieszenarien sind ein schwerer Rückschlag für die ökologische Modernisierung unseres Landes.

Was eigentlich getan werden müsste, um zu einer sicheren, umweltverträglichen und preisgünstigen Energieversorgung zu kommen, ist spätestens seit den energiepolitischen Debatten Ende der siebziger Jahre klar: eine konsequente Weichenstellung hin zu Energiedienstleistungen und erneuerbaren Energien und weg von der monopolartigen Verbundwirtschaft. Dabei ist der Umstieg in eine hocheffiziente Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien keine technische, sondern eine politische Frage. Die Umsetzung erfordert den Bruch mit der Verbundwirtschaft und die Beendigung der fossilen und nuklearen Stromerzeugung. Das heißt auch: Die Politik darf die Machtauseinandersetzung mit den großen Energiekonzernen nicht scheuen.

Die Bundesregierung trickst aber. Denn sie behauptet, die Atomenergie sei die Brückentechnologie in ein solares Zeitalter. Zwar ist das eine unsinnige These: Zahlreiche Studien belegen, dass die tatsächliche Brücke in das Solarzeitalter die umfassende Nutzung der Effizienztechnologien ist, die den Energieumsatz um bis zu 42 Prozent reduzieren könnte. Doch die Bundesregierung hielt sich bei der Studienvergabe nicht einmal an ihre eigene Vorgabe. Sie stellte nämlich nicht etwa die Frage, wie schnell und unter welchen Bedingungen eine Versorgung mit erneuerbaren Energien erreicht werden könnte. Vielmehr gab sie eine Verlängerung von AKW-Laufzeiten vor.

Die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel nimmt also ihre eigene Begründung nicht ernst, sondern macht Vorgaben, die den Weiterbetrieb der abgeschriebenen Atomkraftwerke als besonders vorteilhaft herausstellen. Sie unterstützt damit die Konzerne, die über nukleare und fossile Großkraftwerke verfügen – zulasten der Stadtwerke und zulasten der erneuerbaren Energien und damit zulasten von Innovationen und Klimaschutz. Damit wird allein das eigene wirtschaftliche und ideologische Klientel befriedigt. Denn mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun und schon gar nichts mit Zukunftsverantwortung und der Nutzung der Innovationschancen. Das ist ein schwerer Rückschlag für die ökologische Modernisierung unseres Landes.

Man muss unrealistische Vorgaben nehmen, um Vorteile zu errechnen. Denn verschiedene Studien haben gezeigt, dass es beispielsweise keinen empirischen Zusammenhang zwischen Strompreisen und Atomkraftwerken gibt. Im Gegenteil: In den Atomländern Bayern und Baden-Württemberg liegt der Strompreis über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Deshalb auch wurden die Studien vergeben an das besonders konservative Energiewirtschaftliche Institut (EWI). Das EWI hatte sich in der Vergangenheit einerseits als atomfreundlich und andererseits als besonders kritisch gegenüber erneuerbaren Energien gezeigt. Nicht von ungefähr ist das EWI auch das „Lieblingsinstitut“ der großen Energiekonzerne.

So wurde das Ergebnis schon vorher politisch vorgegeben: Eine Verlängerung der Laufzeiten von AKWs auf 60 Jahre ließe die Strompreise im Jahr 2030 um knapp 20 Prozent niedriger ausfallen, was wiederum zur Sicherung von 100.000 bis 200.000 Arbeitsplätzen führe – unter Status-quo-Bedingungen. Dabei fallen schon bei einer Verlängerung um 20 Jahre die „finanziellen Vorteile“ deutlich geringer aus, bei den ersten beiden Fristen sind sie erst gar nicht gegeben. Für diese scheinbaren Vorteile werden aber auch die Risiken verlängert, die Monopolstruktur festgeschrieben und die Innovationschancen blockiert.

Was schert es schon die Auftraggeber, dass die bisher abgeschalteten AKWs im Schnitt noch nicht einmal eine Laufzeit von 30 Jahren erreicht hatten. Was schert es sie, dass es gar keine Erfahrungen gibt, ob Atomkraftwerke überhaupt 60 Jahre laufen können, was ein AKW-Alter von rund 65 Jahren bedeuten würde. Dieses Alter hat noch nicht einmal die gesamte Geschichte der nuklearen Stromerzeugung erreicht.

Das EWI rechnet die Studien, die schwarz-gelbe Bundesregierung und die Atomkraft schön, denn:

  • Trotz der zum Teil massiven Preissprünge der letzten Jahre kalkuliert das EWI nur mit moderaten Energiepreissteigerungen bei Gas, Kohle und Öl.
  • Die Atomenergie wird nur im Status quo gerechnet, eine Verlängerung der Laufzeiten stellt aber auch die Frage nach einer höheren Sicherheit. Schließlich haben viele Kraftwerke einen erheblichen Nachrüstungsbedarf. In die Szenarien wurden aber nur Nachrüstungen gerechnet, die nicht die grundlegenden Schwächen vieler Kraftwerke (Containment, Kühlsysteme, Stahllegierungen) berücksichtigen.
  • Die erneuerbaren Energien werden auch teurer angesetzt, was das EWI schon häufig machte. Im Gegensatz dazu kommen Untersuchungen von Fraunhofer-Gesellschaft und DLR zu dem Ergebnis, dass sich schon in kurzer Zeit die Kostenrelationen umdrehen, weil die erneuerbaren Technologien preiswerter, die konventionellen Energien deutlich teurer werden.
  • Das EWI plädiert für eine Abschaffung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und seinen Ersatz durch ein Quotensystem. Offenkundig ist es der Bundesregierung so wichtig, die Laufzeitverlängerung als ökonomisch günstig darzustellen, dass sie mit dem EWI sogar einen Akteur beauftragt hat, der sich gegen das Hauptziel der Bundesregierung – Ausbau der erneuerbaren Energien durch das EEG – stellt.
  • Die Arbeitsplatz- und Innovationseffekte eines Ausbaus der erneuerbaren Energien werden in den Energieszenarien viel zu niedrig angesetzt.
  • Zugleich übernimmt das EWI unbewertet eine Prognos-Studie, die die sogenannte CCS-Technik ungeachtet aller Erkenntnisse günstig rechnet, was unter Experten nur ein allgemeines Kopfschütteln ausgelöst hatte.

Bei all diesen Annahmen schneidet eine besonders lange Laufzeitverlängerung natürlich gut ab. Zumal den erarbeiteten Energieszenarien eine aktive Energiepolitik unterstellt wird und man sich in der Bewertung auch auf ein Referenzszenario bezieht, das weit hinter dem zurückbleibt, was eine engagierte Energiepolitik tun könnte: zum Beispiel durch den verstärkten Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung. Allein deren Potenzial zur Energie- und CO2-Einsparung wäre schon viel höher als die vermeintlichen Vorteile der Atomkraft. Insofern gibt es nachweislich keinen positiven Effekt für den Klimaschutz, zumal die Rahmenbedingungen der erarbeiteten Energieszenarien durch eine fragwürdige Berechnung des Zertifikatspreises beim Emissionshandel und der spekulativen Preisfestsetzung über die Strombörse ungünstig für mehr Klimaschutz sind.

All diese Anstrengungen verfolgen allein den durchsichtigen Zweck, die Laufzeitverlängerung der Atomkraft als wirtschaftlich vorteilhaft hinzustellen. Die sogenannte Brückentechnologie ist reines Geschwätz. Vielmehr wird gerade durch die Fixierung auf die Atomenergie die Marktmacht der vier großen Atomkonzerne verfestigt. Deshalb auch werden sich die beiden Akteure Bundesregierung und Atomwirtschaft verständigen: Die Bundesregierung ist interessiert an zusätzlichen Einnahmen und die AKW-Betreiber an der Weiternutzung der bereits abgeschriebenen Atomkraftwerke. Nur mit einer verantwortungsvollen Energiepolitik hat das alles leider nichts zu tun.

Öffentlich hatte die Bundesregierung verkündet, dass sie den Umbau in eine Zukunft der erneuerbaren Energien will. Doch sie macht das Gegenteil. Bundesumweltminister Röttgen, der von seiner Verantwortung für eine zukunftsfähige Wirtschaft spricht, hat bisher nur eine Initiative gezeigt, nämlich die Absenkung der Zuschüsse für die Solarindustrie. Dabei wurde er allerdings im Bundesrat von allen 16 Bundesländern gestoppt. Norbert Röttgen war es auch, der zugelassen hatte, dass das EWI die Studien für das nationale Energiekonzept erarbeitet. Obwohl sein Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) seit Jahren bewährte und anerkannte Leitszenarien von der DLR erarbeiten lässt. Damit hat sich Herr Röttgen auch gegen sein eigenes Ministerium gestellt.

Norbert Röttgen wird seiner Rolle als Umweltminister auch deshalb nicht gerecht, weil er nicht für eine Verkürzung, zumindest Beibehaltung der Laufzeiten der AKWs kämpft, sondern eine Verlängerung um acht Jahre schon als Erfolg bezeichnet. Dabei ist das nichts anderes als die Wiederherstellung des Zustands unter den Umweltministern Klaus Töpfer und Angela Merkel, die sich beide nicht für engagierte Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien eingesetzt haben.

Die Antwort, warum das alles so ist, liegt auf der Hand: In der schwarz-gelben Bundesregierung gibt es keine wirksame Unterstützung für ökologische Ziele. Die Umweltpolitiker von CDU/CSU und FDP kommen aus der zweiten oder dritten Reihe und haben keinen großen Einfluss auf die Politik der Bundesregierung. Die ökologische Modernisierung ist in dieser Regierung tatsächlich nur ein Randthema. Doch der Umweltminister tut so, als sei es anders. Der Anschein soll wieder einmal schwarz-gelbe Politik ersetzen.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

“Unser Wald” in der neuen NATURFREUNDiN

NATURFREUNDiN 3-2010Die Septemberausgabe des Mitgliedsmagazins der NaturFreunde Deutschlands widmet ihre Titelgeschichte dem Wald im Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaftsgut und Hort des Lebens. Denn durch die zunehmende Ressourcenknappheit werden auch die Forste immer attraktiver für die Energiegewinnung.

Doch aus der Forstwirtschaft kennen wir auch das Konzept der Nachhaltigkeit als Antwort auf Kahlschlag und qualmende Kohlemeiler. Als vor rund 500 Jahren sächsischen Bergleuten das Holz zur Absicherung der Stollen knapp wurde – sie hatten jahrzentelang mehr Bäume gefällt als nachwachsen konnten – keimte auch ein neues Bewusstsein: Der Wald sollte “nachhaltend” genutzt werden. Damit war ein Begriff geboren, der heute allgemein für zukunftsfähig, sich erneuernd, den Kreislauf in Gang haltend steht. Und das forstwirtschaftliche Konzept der Nachhaltigkeit zeigt, dass selbst in einer Krise immer auch Chancen stecken.

Insofern könnte man auch die aktuelle Debatte um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten als Chance begreifen – als Chance für eine schöne Stadtwanderung mit gesellschaftsveränderndem Anspruch: „Schluss jetzt!“ lautet das Motto der Anti-Atom-Demonstration am 18. September in Berlin, zu der auch die NATURFREUNDiN  ihre Leserinnen und Leser auf der Seite 13 aufruft. Denn die NaturFreunde meinen: „Mal richtig abschalten!“ und „erneuerbar statt atomar“ sind die besten Energiekonzepte. Und wer nicht glaubt, dass die Zerstörung ganzer Landschaften zum Normalprogramm der Ölkonzerne und des fossilen Zeitalters gehört, erfährt mehr im Artikel über Ölsande auf der Seite 11. Dieser liefert dann auch eine weitere Begründung für die Notwendigkeit eines Klimagesetzes, das den Deutschen Bundestag beschäftigen soll (Seite 12).

Weitere Themen der Septemberausgabe sind Grünbrücken für den Artenschutz und Chancen für das Emschertal: Die NATURFREUNDiN hat den Vorsitzenden der Emschergenossenschaft Dr. Jochen Stemplewski gefragt, was sich in der Flusslandschaft des Jahres 2010/11 alles verändern wird. Auch Stemplewski ist NaturFreund und engagiert sich mit der Emschergenossenschaft für mehr Lebensqualität durch eine intaktere Umwelt vor Ort.

Auch dabei in der Septemberausgabe NaturFreunde Niedersachsen vorgestellt, Ausschreibung NaturFreunde-Bundeskongress 2011, Soziale Städtetour auf den Spuren Afrikas in Hamburg, Busfahrten für Wanderer, neue Ausbildungsqualifikationen im Wander-, Schnee- und Bergsport, Umweltpreis für Klimaschutzkonzept der NaturFreunde Bremen, ein grenzüberschreitender Natura Trail für Radfahrer von der Saar zum Rhein, historische Aufarbeitung im Naturfreundehaus Kirkel, Gedanken zum Welttourismustag am 27. September, Geschichte der NaturFreunde-Bewegung in Ostbayern, Reisen, Seminare, Leserbriefe, Kleinanzeigen, Kurznachrichten, Medientipps …

Die NaturFreundin finden Sie als PDF-Download unter: www.naturfreundin.naturfreunde.de

Die Energiedebatte wird von Ideologie statt Fakten bestimmt

Die energiepolitische Debatte wird bestimmt von ideologischen Interessen und Vorurteilen, nur selten aber von echten Fakten. Im Zentrum der aktuellen Debatte stehen Begriffe wie Brückentechnologie, Versorgungssicherheit, Klimaverträglichkeit oder Preisgünstigkeit, die alle bei einem näheren Hinsehen nicht haltbar sind. Tatsächlich wollen die Blockierer – ob sie nun Mappus, Merkel oder Röttgen heißen – nur eins: auf jeden Fall die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern.

Brückentechnologie Die Atomkraft ist keine Brückentechnologie, sondern eine ineffiziente Form der Stromerzeugung mit einem energetischen Nutzungsgrad von 35 Prozent in der Spitze. Die wirkliche Brücke in die Zukunft sind aber die „drei E“: erneuerbare Energien, Einsparen und Effizienztechnologien. Allein der Einsatz von Effizienztechnologien weist ein Einsparpotenzial von rund 50 Prozent des heutigen Energieverbrauchs auf. Würde das Potenzial verwirklicht, hätte erneuerbarer Strom schon heute einen Anteil von mehr als 30 Prozent.

Versorgungssicherheit Tatsächlich geht es in der energiepolitischen Debatte gar nicht um Versorgungssicherheit, bestehen doch erhebliche Überkapazitäten. Deutscher Strom wird sogar exportiert. Die Lobbyisten der fossilen Energieträger suchen eine Versorgungssicherheit vor allem für ihre abgeschriebenen Kraftwerke, die echte Goldesel sind. Dazu kommt: Angesichts der zunehmenden Knappheit der natürlichen Ressourcen kann Versorgungssicherheit nur Beschleunigung des Umstiegs heißen.

Klimaverträglichkeit Spätestens seit den Untersuchungen der Klima-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages steht fest, dass die notwendigen Einsparziele nur durch den Umbau der Energieversorgung auf Kraft-Wärme-Kopplung, Dezentralität und Effizienz möglich werden. Diese Ziele aber werden von der Atomenergie blockiert.

Preisgünstigkeit Auch hier zeigen die Untersuchungen, dass die Effizienztechniken schon heute und die erneuerbaren Energien in wenigen Jahren preisgünstiger sein werden als die traditionellen Energieangebote. Geht man bei den Kraftwerken von einer Regellaufzeit von 40 Jahren aus, wird sofort klar, wer besser abschneidet.

Tatsächlich ist der Umbau schnell möglich. Vor wenigen Jahren noch gingen selbst optimistische Ausbaustudien für die erneuerbaren Energien von Zielen aus, die heute schon deutlich überschritten sind.

In der energiepolitischen Debatte geht es nur um den Willen zur Umsetzung. Die Möglichkeiten sind längst da. Es ist aber unsere selbst ernannte politische und wirtschaftliche Elite, die diese Umsetzung verhindert. Auch das sind Fakten: traurige, aber wahre.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Der Atomausstieg ist eine politische und keine technische Herausforderung

In der Energiefrage kommt es darauf an, was sich die Politik in der Umsetzung zutraut. Denn die Neuordnung der Energiepolitik und der Einstieg in die Solar- und Sparwirtschaft ist primär keine Frage der Technik, sondern des politischen und gesellschaftlichen Willens. Schließlich basieren alle energiepolitischen Szenarien auf gewissen Annahmen – auch die These der „Brückentechnologie“ Atomkraft. Der Schlüssel für eine ökologische Neuordnung der Energieversorgung ist der Ausstieg aus der Atomenergie und der damit einhergehenden ineffizienten Verbundwirtschaft.

Mit viel Geld wirbt die Atomwirtschaft für ihre Interessen. Doch die Atomkonzerne EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall machen mit ihrem „Energiepolitischen Appell“ einen mehrfachen Salto: Sie fordern mehr Mut, haben diesen aber bisher nicht gezeigt. Sie fordern mehr Realismus, wollen aber ihre Interessen sichern. Sie erklären, die ökologische Ausrichtung der Energieversorgung sei richtig, haben diese aber in den letzten Jahren oft genug erschwert. Und natürlich fordern sie weiterhin die Verlängerung der AKW-Laufzeiten und den Bau neuer Meiler. Mit einer guten Energiezukunft hat das nichts zu tun.

Die Unterzeichner behaupten, dass eine längere Atomnutzung als Brückentechnologie notwendig sei. Sie beziehen sich dabei in der Regel auf Studien von Instituten, die seit Jahrzehnten auf die Atomenergie fixiert sind und damit auf eine ergebnisorientierte Wissenschaft, die sich aus den gewählten Annahmen ergibt. Nicht zufällig hat das Bundesumweltministerium das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln mit den Studien zur Energiepolitik beauftragt und nicht etwa das Fraunhofer- oder das Wuppertal Institut. Schließlich sehen diese beiden Forschungseinrichtungen den Schlüssel für Innovationen und Effizienz im Umbau der Energiestrukturen – und nicht in der Verlängerung der AKW-Laufzeiten.

Spätestens seit dem Jahr 1990, also seit den großen Studien der Klima-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zur Energiepolitik, ist klar, dass im Klimaschutz die gesteckten Ziele entscheidend sind. Damals wurden unter der Moderation von fünf großen Instituten (Prognos, DIW, Fraunhofer, Öko-Institut und Universität Essen) unterschiedliche Szenarien erarbeitet, über 100 Institute waren beteiligt.

Szenarien basieren immer auf „Wenn-dann“-Annahmen. Bei der damaligen Annahme einer massiven Reduktion der CO2-Emissionen (doppelt so hoch wie bisher geschehen) und einem Atomausstieg bis zum Jahr 2005 wurde die völlige Versorgungssicherheit nachgewiesen – allein durch Einsparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Doch die Politik hätte die Umsetzung auch wollen und durchsetzen müssen.

Es kommt also darauf an, was sich die Politik in der Umsetzung zutraut. Die Neuordnung der Energiepolitik ist primär keine Frage der Technik, sondern des politischen und gesellschaftlichen Willens.

Der Schlüssel für eine ökologische Neuordnung der Energieversorgung ist der Ausstieg aus der Atomenergie und der damit einhergehenden ineffizienten Verbundwirtschaft. Darum geht es, hier muss die Politik Farbe bekennen. Was die vier Atomkonzerne machen, ist nichts anderes als der durchsichtige Versuch einer Verschleierung ihrer Interessen.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Michael Müller zum BILD-Interview mit den Vorstandsvorsitzenden der Atomkonzerne

Berlin, 16.August 2010 – Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands zum BILD-Interview der vier Vorstandsvorsitzenden der Atomkonzerne:
Für ihn ist es klar, dass es in diesem Interview nicht um eine sinnvolle Energiepolitik für Deutschland sondern nur um die eigenen Interessen, Taktik und Macht geht. Die NaturFreunde Deutschlands sehen hierin eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland.

Der britische Sozialwissenschaftler Colin Crouch sieht die Demokratie in einem zunehmend kritischen Zustand. Im Schatten politischer Inszenierungen, die tagtäglich die Zeitungen füllen, wird die reale Politik immer mehr zu einem fragwürdigen Aushandlungsprozess, begleitet von öffentlichem Getöse, Drohungen und vermeintlichen Helden- oder Schurkenrollen. Dem Ideal der politischen Gleichheit wird mehr und mehr der Boden entzogen. Die Aussagen der vier großen Stromkonzerne, die alle als öffentliche Konzerne begonnen haben, sind ein Beispiel dafür.

Ein Beispiel für den Verfall der Demokratie ist die Auseinandersetzung in der schwarz-gelben Bun-desregierung um die Atomenergie und die Rolle der Atomwirtschaft, die ideologisch und real vielfältig mit Union und FDP verflochten ist. Große Teile des Regierungslagers sind nicht frei, ihnen fehlt jede Unabhängigkeit, um die zentrale Zukunftsfrage der Neuordnung der Energieversorgung auch sachgerecht entscheiden zu können. Und die Chefs der Atomwirtschaft verstellen die Wirklichkeit mit einseitigen Behauptungen, die ihren kurzfristigen Interessen entsprechen, nicht aber einer voraus-schauenden und vorsorgenden Energiepolitik. Die Folge ist ein einzigartiges, ja abschreckendes Thea-ter, das schon lange nichts mehr zu tun hat mit den Herausforderungen, um die es eigentlich gehen sollte.

Der Ausgangspunkt war 2001 der Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung, der auch von den großen Unternehmen begrüßt worden ist. Er hat einen harten innenpolitischen Streit beendet, auch weil die Umweltverbände einen Kompromiss akzeptiert haben, der weit hinter ihren Forderungen zu-rückgeblieben war. Und die Behauptung vieler Vertreter von CDU/CSU und FDP, dass nun die Lichter ausgingen, hat sich als unsinnig erwiesen. Im Gegenteil: Die erneuerbaren Energien haben einen einzigartigen Aufschwung genommen und sind heute das Markenzeichen deutscher Innovationspoli-tik. Bei Einsparen und Effizienzsteigerung sind die Maßnahmen allerdings deutlich hinter dem zurückgeblieben was möglich wäre.

Heute geht es um Taktik. Um sich ein grünes Mäntelchen anzuziehen, was bei dem offensichtlich überforderten Koalitionspartner FDP auch nachvollziehbar ist, aber die politische Begründung und das Vorgehen keinesfalls entschuldigt, versucht ein Teil der Union, ohne dass es dafür eine inhaltliche Klärungsdebatte in der Partei gegeben hat, einen ökologischen Salto zu schlagen. Es wird vernebelt, um was es allen – ganz egal ob Bundesminister Röttgen oder den Ministerpräsidenten Mappus oder Seehofer – in der Union geht: die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke.

Dem konservativen und wirtschaftsnahen Teil in der schwarz-gelben Koalition, der immer noch die Mehrheit stellt, geht bereits das rhetorische Wendemanöver zu weit. Vor allem die zuständigen Ver-antwortlichen für Energie und Wirtschaft kennen nur eins: Atomkraftwerke sollen laufen bis die Schrauben rosten. Das nennen sie billige Energie, Versorgungssicherheit und Brückentechnologie.

Diese Machtauseinandersetzung und die taktischen Manöver des Regierungslagers verunsichern sogar die Atomwirtschaft, die mit dem Regierungswechsel goldige Zeiten angebrochen sah, nicht aber neue Belastungen. Seriöse Verhandlungspartner sind sie schon lange nicht mehr, denn 2001 hatten sie den Ausstiegbeschluss noch mit großen Worten begrüßt und die Einhaltung des Vertrages geschworen. Doch es geht vor allem um Geld, nicht um Energiepolitik. Was früher war, zählt nicht mehr. Neue Mehrheiten, neues Spiel. Aber sie machen die Rechnung ohne die Bevölkerung, die nicht nur von den windigen Manövern abgeschreckt ist, sondern auch nach wie vor mit klarer Mehrheit den Ausstieg will.

Die Folge ist ein immer dickerer Knoten politischer Unfähigkeit und moralischer Beliebigkeit. Und das in einer Zeit, in der grundlegende Reformen notwendig sind. Reformen, die eine seriöse Politik und verlässliche Partner erfordern, aber keine Machttaktik, die nur kurzfristige Interessen kennt.

Jetzt spitzt sich der Streit zu: Starke Kräfte in Union und FDP wollen weit mehr als eine Verlängerung um acht Jahre, der den Zustand vor dem Atomausstieg wiederherstellen würde. Sie wollen, wie die Atombetreiber, die Gelddruckmaschine abgeschriebener Atomkraftwerke, auch um sich selbst zu be-dienen. Nicht von ungefähr fordern die vier großen Atomkonzerne in erster Linie, dass die ganz alten Kraftwerke länger laufen. Diese abgeschriebenen Mühlen bringen nämlich die höchsten Gewinne.

Atomwirtschaft und große Teile der Politik wollen ein Paket knüpfen, das nichts mehr mit energiepo-litischen Notwendigkeiten und auch nichts mit den Innovationschancen der neuen Energietechniken zu tun hat, wohl aber mit einer ideologischen und ökonomischen Verantwortungslosigkeit zu Lasten von Sicherheit und Innovationen.

In der heutigen BILD-Zeitung begründen die vier Chefs der Atombetreiber – RWE-Chef Jürgen Großmann, e.on-Chef Johannes Teyssen, Vattenfall-Vorstand Tuamo Hatakka und EnBW-Sprecher Peter Villis – ihren Kurs des Vergessens. Es ist ein Dokument der Innovationsfeindlichkeit von Un-ternehmen, die fester Bestandteil einer blinden Ökonomie der Kurzfristigkeit sind.
Teyssen behauptet, die Atomkraft sei für den Klimaschutz und eine leistungsfähige Wirtschaft not-wendig. Er verschweigt, dass die Experten-Kommission des Deutschen Bundestages in umfangreichen Studien nachgewiesen hat, dass nur der Umbau, nicht das Festhalten an den überkommenen Strukturen der Verbundwirtschaft Klimaschutz und Innovationsstärke der deutschen Wirtschaft mög-lich machen. Auch die Behauptung der sichersten Atomkraftwerke ist deshalb fragwürdig, weil Deutschland nicht einen durchgängigen Atomkrafttyp hat, sondern auf unterschiedliche Technologien gesetzt hat. Aber zum Beispiel haben einige AKWs kein hinreichendes Containment.

Großmann verschweigt, dass der deutsche Exportrenner die erneuerbaren Energien sind. 34 Staaten der Erde nutzen heute Atomstrom, über 75 jedoch erneuerbare Energie, mehr als zwei Drittel davon nach deutschem Vorbild. Das ist die Zukunft und hier muss Deutschland aufpassen, dass wir die führende Position nicht verlieren, denn andere Länder holen massiv auf. Und die erneuerbaren Energien mussten stets gegen den Widerstand der großen Atombetreiber, die immer wieder dagegen geklagt haben, durchgesetzt werden. Auch die Behauptung vom preiswerten Atomstrom ist fragwürdig, denn warum liegt der Strompreis in den beiden Atomländern Bayern und Baden-Württemberg höher als in den meisten anderen Bundesländern.

Villis behauptet – was eine Binsenweisheit ist – die Welt hätte sich in den letzten 10 Jahren verändert. Dann nennt er aber nur Beispiele, die eigentlich einen schnelleren Umbau in eine dezentrale effiziente und erneuerbare Versorgung begründen. Und die Aussage, der Klimaschutz hätte heute eine ganz an-dere Dimension ist falsch, denn seit 1987 liegen die Erwärmungsszenarien vor, die der 4. Sachstands-bericht des Weltklimarates bestätigt hat.
Hatakka ignoriert die zahlreichen Studien, dass nicht die Atomkraft, sondern die Effizienzrevolution und der Umstieg die CO2-Reduktionsziele ermöglichen. Atomkraftwerke kommen im günstigsten Fall gerade mal auf einen Wirkungsgrad von 35 Prozent. Lesen die Herren nichts oder verschweigen die einfach die Fakten?

Teyssen behauptet, dass in vielen Ländern baugleiche Atomkraftwerke gegenwärtig 60 Jahre laufen. Pardon, aber die gesamte Geschichte der nuklearen Stromerzeugung ist nicht einmal 60 Jahre alt. Im Schnitt waren bisher abgeschaltete AKWs nicht einmal 30 Jahre am Netz.
Großmann erwähnt zu Recht, dass die erneuerbaren Energien eine gesetzliche Vorrangstellung haben. Die ist aber nur dann zu halten, wenn es zu einer verbesserten Netzinfrastruktur kommt, was gerade die großen Konzerne erschweren.

Und überhaupt machen die Herren die Rechnung ohne die notwendigen Nachrüstungen, die aber bei einer Laufzeitverlängerung unbedingt notwendig werden. Die alten Meiler – zum Beispiel in Biblis – gehören schon lange abgeschaltet.

Die NaturFreunde Deutschlands haben die Anti-Atom-Demo am 18. September in Berlin angemeldet. Sie muss zu einem deutlichen Signal nicht nur gegen die Atomkraft, sondern auch gegen den verant-wortungslosen Umgang mit der Demokratie werden. Das ist das, was Colin Crouch zur Selbstbehaup-tung der Demokratie fordert.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Röttgen ist abgetaucht im Katastrophensommer

Es ist der Sommer der Naturkatastrophen. Täglich sehen wir den Aufstand der Natur: Überschwemmungen, brennende Böden, apokalyptische Landschaften. Doch warum ist  von Norbert Röttgen und seinem Umweltministerium nichts zu hören? Er müsste endlich die politische Führung übernehmen und offensiv für vorbeugenden Hochwasserschutz und mehr Klimaschutz kämpfen.

Angesichts der ökologischen Alarmsignale darf es einfach nicht sein, dass man vom Umweltminister nichts hört. Gerade er müsste doch eigentlich Position beziehen. Stattdessen nervt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle die Öffentlichkeit mit abwegigen Vorschlägen. Die eigentlichen Herausforderungen werden von der Bundesregierung nicht angesprochen“, so Michael Müller.

Die Auseinandersetzungen um Macht und Strategie in der Union scheinen auch die Kraft von Herrn Röttgen zu binden. Deutlicher als unter der schwarz-gelben Bundesregierung war der Widerspruch zwischen großem Anspruch und ernüchternder Wirklichkeit noch nie.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern den Bundesumweltminister auf, endlich die politische Führung zu übernehmen und offensiv für mehr Klimaschutz zu kämpfen. Und wo bleibt eine klare Aussage von Herrn Röttgen zum Hochwasserschutz? Federführend ist auch dafür der Bundesumweltminister verantwortlich.

Heute rächt sich die Bremserrolle vieler Bundesländer nach dem „Jahrhunderthochwasser“ im Jahr 2002. Damals waren Bayern, Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hamburg von schweren Überschwemmungen betroffen. Für die Beseitigung der Schäden mussten weit mehr als acht Milliarden Euro bereitgestellt werden.

Die Bundesregierung stellte damals einen Fünf-Punkte-Plan auf, der gegen künftige Hochwasser besser vorbeugen sollte. Die Neufassung des Hochwasserschutzgesetzes basierte auf wissenschaftlichen Befürchtungen, dass künftig häufigerer und stärkerer Hochwasser auftreten werden. Denn der fortschreitende Klimawandel wird in immer kürzeren Abständen zu Extremereignissen führen.

Doch viele Bundesländer blockten nach dem „Jahrhunderthochwasser“ weitergehende Maßnahmen ab. Sie verhielten sich damals kurzsichtig, aus heutiger Sicht sogar verantwortungslos. Denn der damalige Gesetzesentwurf wurde von ihnen so zusammen gestutzt, dass vom eigentlichen Ziel der Vorsorge nur noch wenig übrig blieb. Tatsächlich haben die Bundesländer eine Mitschuld, dass Menschen in Not geraten sind.

Auch das Bundesland Sachsen, für das damals Staatsminister Tillich verhandelte, war einer der Bremser. Heute aber fordert er als sächsischer Ministerpräsident Finanzhilfen vom Bund. Und wieder ist vom Bundesumweltminister nichts zu hören.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Bundesländer nahmen Warnungen zum Hochwasserschutz nicht ernst

Warum haben sich viele Bundesländer nach dem „Jahrhunderthochwasser“ im Jahr 2002 einem echten vorbeugenden Hochwasserschutzgesetz verweigert? Einer der damaligen Bremser, der heutige sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich, verspricht nun den vom Hochwasser betroffenen Menschen jede mögliche Hilfe.

Von einem Jahrhunderthochwasser sprach man im Jahr 2002 bei den schweren Überflutungen in Bayern, Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hamburg. Auch die NaturFreunde waren damals betroffen: So wurde beispielsweise das Naturfreundehaus im sächsischen Königsstein überschwemmt und musste grundlegend renoviert werden.

Für die Beseitigung der Schäden stellte die damalige Bundesregierung über acht Milliarden Euro bereit, die durch die Verschiebung der Steuerreform finanziert wurden. Ein zusätzlicher Fünf-Punkte-Plan sollte künftige Hochwasser besser vorbeugen. Ein wichtiges Element war hier das geplante neue Hochwasserschutzgesetz. Es basierte auf wissenschaftlichen Prognosen häufigerer und stärkerer Hochwasser. Denn tatsächlich müssen künftig in immer kürzeren Abständen vergleichbare Extremereignisse befürchtet werden, nicht zuletzt durch den weiter voranschreitenden Klimawandel.

Doch die damaligen Reaktionen der Bundesländer auf die Vorschläge des Bundes waren ernüchtern: Sie wurden abgeschwächt und – wo möglich – verhindert. Vor allem Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Rheinland-Pfalz wollten keinen besseren Hochwasserschutz. Brandenburg und Hamburg vermittelten, ohne aber die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Viele Umweltminister der Länder hatten trotz der großzügigen Hilfen des Bundes Angst vor den finanziellen und planerischen Folgen von Schutzmaßnahmen, die von einem 200-jährigen Hochwasser ausgehen sollten.

Als ich damals in der zuständigen Arbeitsgruppe die wochenlangen Verhandlungen zwischen Bundestag und Bundesrat leitete, habe ich das kurzsichtige Verhalten der Landespolitiker hautnah erleiden müssen. Nur mit starken inhaltlichen Abstrichen wurde das neue Hochwasserschutzgesetz im Bundesrat beschlossen. Denn gegen alle Warnungen wollten viele Bundesländer nur eine Verbesserung im Status quo, einen echten vorbeugenden Hochwasserschutz aber nicht. Diese Landespolitiker sind verantwortlich dafür, dass nicht das getan wurde, was hätte getan werden können. Die wenigen Verbesserungen reichten nicht.

Auch zu den Bremsern gehörte der damalige Minister Stanislav Tillich. Heute ist er sächsischer Ministerpräsident und verspricht den vom Hochwasser betroffenen Menschen jede mögliche Hilfe der Staatsregierung.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Bruno Thomauske hätte nicht Gorleben-Berater werden dürfen

Was ist von Bundesumweltminister Norbert Röttgen zu halten, der das Image eines nachdenklichen Politikers hat und öffentlich den Abschied von der Atomkraft fordert, tatsächlich aber gegenteilige Personalentscheidungen trifft? Wer mit Bruno Thomauske den Bock zum Gärtner macht, versagt in einer der zentralen Zukunftsfragen.

Zuerst ernannte Norbert Röttgen den früheren Generalbeauftragten von Bayernwerk/VIAG/E.ON Gerald Hennenhöfer zum Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium – und damit ausgerechnet den Mann, der für die Industrie die Verhandlungen um den Atomausstieg geführt hatte.

Und nun wurde auch noch der ehemalige Chef der Atomsparte bei Vattenfall Bruno Thomauske zum Gorleben-Berater ernannt. Er soll an einer vorläufigen Eignungsprognose für Gorleben mitwirken, die laut „Stern“ demnächst im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt wird. Immerhin war Thomauske nach den Unfällen in den Vattenfall-Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel eine Bunkermentalität vorgeworfen worden: Weil er die Öffentlichkeit erst spät und dann auch nur unzureichend informierte, musste er seinen damaligen Posten räumen. Mögliche Interessenkonflikte waren schon bei seinem Wechsel vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in die Vattenfall-Geschäftsführung befürchtet worden. Thomauske hatte sich im BfS von 1983 bis 2003 mit der Endlagerung radioaktiver Abfälle beschäftigt.

Und diese Sorgen gelten heute noch stärker für den Regierungsberater Thomauske. Bundesminister Norbert Röttgen hätte bei der Ernennung Wert auf Distanz und Unabhängigkeit legen müssen – gerade weil das von CDU/CSU und FDP gegen alle berechtigte Kritik hartnäckig verfolgte Endlager für Atommüll in Gorleben so umstritten ist. Tatsächlich braucht niemand eine „Sicherheitsstudie“ für ein Bergwerk, dessen Untauglichkeit als Atommüllendlager seit Jahrzehnten bekannt ist!

Die Personalentscheidungen des Bundesumweltministers stehen für ein eklatantes Versagen in dieser zentralen Zukunftsfrage. Die Atomenergie wird zur Machtfrage, eine vernunftbetonte Auseinandersetzung ist scheinbar nicht mehr möglich.

Der gesellschaftliche Kampf um den Atomausstieg wird weiter gehen, es wird ein heißer Herbst 2010: Gemeinsam mit vielen Organisationen rufen die NaturFreunde Deutschlands auf zur zahlreichen Teilnahme an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September 2010 in Berlin. Schluss jetzt mit der Atomkraft, damit das Pokerspiel um unsere Sicherheit endlich beendet wird!

Mehr Informationen zur Anti-Atom-Demonstration www.anti-atom-demo.de

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Schluss jetzt mit dem falschen Konsens in der Atompolitik

Die Diskussion um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten geht völlig an den Fakten vorbei. Wir brauchen keine Gelddruckmaschine, sondern den echten und schnellen Atomausstieg. Ein Ausstiegsgesetz muss den Unfug der Atomkraftwerke schnell und sicher beenden.

Fast täglich streiten sich CDU, CSU und FDP, um wie viele Jahre die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke verlängert werden sollen. In den Medien geht es scheinbar nur noch um die Frage, ob sich der angeblich moderate Norbert Röttgen durchsetzt oder die totalen Apologeten der Atomwirtschaft wie Rainer Brüderle, Stefan Mappus oder Horst Seehofer. Doch dieses Theater geht an den eigentlichen Fakten völlig vorbei:

  • Das Ausstiegsgesetz von 2001 beruhte auf einem Konsens der damaligen Bundesregierung mit den vier großen Atomkraftbetreibern EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall – und nicht mit der Umwelt- und Naturschutzbewegung.
  • Auch Norbert Röttgen bewegt sich nicht: Er will den Zustand wieder herstellen, der unter den CDU-Umweltministern Klaus Töpfer und Angela Merkel galt. Dass er dafür kritisiert wird, zeigt nur die erschreckende Unkenntnis der Kritiker, nicht aber den Mut des Bundesumweltministers.
  • Eine energiepolitische Begründung für die Atomenergie, die militärische Wurzeln hat, gibt es nicht: Denn bei einem Wirkungsgrad von höchstens 35 Prozent ist sie nicht nur ineffizient – sondern verfestigt auch einen verschwenderischen  Energie-Verbrauch.
  • Die vier großen Atomkraftbetreiber sind unseriöse Vertragspartner. Noch 2001 hatten sie den Ausstiegsbeschluss begrüßt, weil er ihnen gesicherte Laufzeiten ermöglichte. Schließlich war damals die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Atomkraft – und sie ist es auch heute noch.

Dass der Streit wieder aufgebrochen ist, hat drei zentrale Gründe

  1. In der Bundesregierung und den Koalitionsfraktionen sitzen fantasielose Ideologen, die den Anforderungen einer modernen Energiepolitik längst nicht gerecht werden.
  2. Die Atomkraftwerksbetreiber haben ein massives Interesse an längeren Laufzeiten: Denn abgeschriebene Atomkraftwerke sind Gelddruckmaschinen.
  3. Das Ausstiegsgesetz setzte auf einen politischen Konsens. Diesen Weg gingen die Initiatoren, vor allem Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Werner Müller und Jürgen Trittin, um mögliche Schadensersatzforderungen zu vermeiden – oder sie sahen keine andere Möglichkeit. Durch das Beschreiten dieses Weges war aber auch absehbar, dass andere politische Mehrheiten wieder versuchen würden, den Ausstieg zurückzunehmen.

Damals gab es auch andere Positionen, die das Kapitel Atomkraft schneller beendet hätten. Mein eigener Vorschlag, die AKWs über Sicherheitsauflagen abzuschalten, erhielt jedoch nicht nur in der SPD keine Mehrheit, sondern scheiterte vor allem an der mangelnden Unterstützung der Grünen.

Auch wollte ich Klaus Töpfers und Angela Merkels Bedingung im Atomgesetz, wonach neue Atomkraftwerke nur genehmigt werden dürften, wenn bei einem Atom-Unfall die Folgen auf die jeweilige Anlage begrenzt blieben, auf bestehende AKWs übertragen: Wäre eine derartige Anforderung nach einer Übergangszeit nicht belegt worden, hätten die AKWs abgeschaltet werden müssen – und kein Atomkraftwerk wäre heute noch am Netz.

Heute holt uns ein falscher Konsens ein, der mit Partnern geschlossen wurde, die nur wenig tun, um den Umbau der Energieversorgung voranzutreiben – und das unter politischen Mehrheiten, deren Denken über das Festhalten an Dinosauriertechnologien nicht hinausreicht. Wir brauchen den Atomausstieg, aber wir brauchen auch ein Ausstiegsgesetz, das den Unfug der Atomkraftwerke schnell und sicher beendet.

So muss der gesellschaftliche Kampf um den Atomausstieg weiter gehen, es wird ein heißer Herbst 2010: Gemeinsam mit vielen Organisationen rufen die NaturFreunde Deutschlands auf zur zahlreichen Teilnahme an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September 2010 in Berlin.

Denn wir sagen: Schluss jetzt mit der Atomkraft, damit das Pokerspiel um unsere Sicherheit endlich beendet wird!

Mehr Informationen www.anti-atom-demo.de

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de