Zu mehr Transparenz bekannte sich der noch amtierende Bundespräsident in seinen jüngsten Erklärungen im Schloss Bellevue und bei seinem Interview mit ARD und ZDF. Seit Wochen hören wir von Herrn Christian Wulff, dass nun alles offen gelegt werden soll. Zwar soll hier nicht nochmals der Widerspruch zwischen Ankündigung und Wirklichkeit beklagt werden. Aber wir wollen einen praktischen Vorschlag machen, der für alle – gleich ob aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Journalismus – gelten soll:
Die generelle Sponsorenkennzeichnung auf der Kleidung und eine Bestrafung bei Unterlassung der Angabe in doppelter Höhe der geleisteten Hilfe.
Kleine Aufnäher am Hemd
Beim Bundespräsidenten zum Beispiel kämen dann kleine Aufnäher an sein Hemd: Finanziell unterstützt von Carsten Maschmeyer oder von Egon Geerkens. Bei Wulffs Ehefrau werden die Modefirmen genannt, die Kleider oder Kostüme zur Verfügung stellen.
Natürlich müssten auch Medienvertreter anzeigen, wenn sie für ihr Fahrzeug einen kräftigen Journalistenrabatt bekommen oder für ihr Flugticket weniger zahlen. Und auch Bundestagsabgeordnete, wenn sie zum Beispiel Gesundheitsfirmen, der Energiewirtschaft oder großen Automobilkonzernen hilfreich sind. Ganz so wie Spieler und Trainer der Fußballbundesliga, die bei der Ausübung ihrer Tätigkeit als wandelnde Werbeträger herumlaufen. Auch Banken- und Wirtschaftsvertreter müssten generell öffentlich machen, in welchen Aufsichtsräten sie sind.
Nach Berufsstand differenzierende Leibchen
Am besten wären natürlich nach Berufsstand differenzierende Leibchen, sodass jeder gleich an Farbe oder Form erkennen kann, um was es eigentlich geht. Das wäre dann auch ein guter Schutz für die, die sich sauber verhalten. Sie hätten eine weiße Weste und würden nicht unberechtigterweise in einen Topf mit denen geworfen werden, die Lobbyisten sind. Dann hieße es auch nicht mehr: die Politiker, sondern es würden konkrete Namen genannt.
Wer die Öffentlichkeit täuscht, würde natürlich entsprechend bestraft. Er müsste das Doppelte der Hilfeleistung an das Finanzamt zahlen. Wenn also die Eigenmechanismen des Anstands und der Würde offensichtlich nicht funktionieren, dann sollte das Sponsoring allgemein, klar und transparent geregelt werden.