Die Debatte über den Besuch der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine durch westliche Politiker ist einfach nicht glaubwürdig. Denn dann dürften diese Politiker auch bei vielen anderen sportlichen Großereignissen nicht mehr erscheinen. Immer wieder werden dort Menschenrechte missachtet und ökologische wie soziale Standards für die Profitinteressen der großen Sponsoren geopfert.
Die oft unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei vielen Zulieferbetrieben der großen Sportartikelhersteller, aber auch beim Bau der sportlichen Infrastruktur sowie das systematische Ausgrenzen von kleinen Straßenhändlern im Umfeld der Sportarenen sind mit einer menschenrechtspolitisch ausgerichteten Sportpolitik nicht vereinbar. Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika zum Beispiel wurden arme Menschen massiv aus Wohnhäusern vertrieben und diese dann zerstört. Dort warten heute immer noch mehr als 10.000 Menschen auf eine Entschädigung für die Zerstörung ihrer Häuser. Diese Vorgänge wiederholen sich auch in den brasilianischen Favelas im Vorfeld der Fußball-WM 2014. Die UN-Berichterstatterin für das Recht auf angemessenes Wohnen, Raquel Rolnik, erwartet mehr als 150.000 Zwangsumsiedlungen für die Austragungsorte der Fußball-WM 2014.
Menschenrechte konsequent bei allen sportlichen Großereignissen einfordern
Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Bundesregierung auf, sich grundsätzlich mit den sozialen und ökologischen Folgen von sportlichen Großereignissen zu beschäftigen und sich auf internationaler Ebene für die Vereinbarung von Mindeststandards einzusetzen. Bei Verstößen gegen diese Mindeststandards müssen die Betroffenen dann das Recht haben, die austragenden Verbände direkt zu verklagen.
Zudem müssen die sportlichen Großereignisse auch den Arbeitnehmern in den Zulieferbetrieben nutzen. Die Beschäftigten in den Produktionsstätten für Trikots und Fanartikel in Indonesien, China und Südamerika werden häufig ausgebeutet und müssen zu unmenschlichen Arbeits- und Sozialbedingungen tätig sein.
Keine dieser tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen führt bei der Bundesregierung aber zu vergleichbaren Protesten. Vielmehr unterstützt sie unkritisch sportliche Großereignisse, wenn es in ihre geostrategischen Interessen passt. Ein skandalöses Beispiel istauch die Durchführung des Fomel-1-Rennens in Bahrain. Wenige Monate nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in dem Obrigkeitsstaat ist die Durchführung dieses milliardenschweren Geschäfts ohne weitere Kritik hingenommen worden.
Politiker äußern sich nicht zu den tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen
Vor diesem Hintergrund halten die NaturFreunde die derzeitige Debatte über den Besuch westlichen Politiker für unehrlich. Dahinter steht auch der Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einzumischen. Während die Eskapaden der proeuropäischen Regierung Timoschenko ohne Kritik der westlichen Staaten hingenommen wurde, wird die jetzige Regierung unter dem Vorwand der Menschenrechtsverletzungen massiv angegangen.
Obwohl seit Jahrzehnten unter den verschiedenen Regierungen der Ukraine Tausende von Gefangenen zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen und unter Anwendung von Folter und Gewalt eingesperrt sind, hat sich die westliche Politik bisher zu diesen tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen kaum geäußert.
Die NaturFreunde Deutschlands fordern einen ehrlicheren Umgang mit Menschenrechtsfragen, unabhängig von außenpolitischen Interessen. Zudem müssen endlich konkrete Maßnahmen eingeleitet werden, damit sportliche Großereignisse nicht nur dem Kommerz und der Bereicherung der sportlichen Großorganisationen dienen, sondern auch die menschenrechtliche Situation in den austragenden Ländern verbessern.
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