Rio 2012 – Gipfel der Verantwortungslosigkeit

Der Erdgipfel Rio +20 war ein Gipfel der Verantwortungslosigkeit, eine Verschwendung von Geld, eine Belastung der Umwelt und ein Beitrag zur Enttäuschung. Wieder einmal hat der Widerspruch zwischen Wissen und Handeln sein Gesicht gezeigt. Die pompöse Konferenz in Brasilien blieb inhaltlich deutlich hinter dem Erdgipfel von Rio 1992 zurück. Es stellt sich sogar die Frage, ob solche Mammut-Tagungen überhaupt Sinn machen.

Rio 1992 war ein Gipfel der Hoffnung, der leider auf globaler Ebene weitgehend ohne Folgen geblieben ist. Vielleicht gab es Zeichen des Aufbruchs auch deshalb, weil diese Konferenz noch in einer Zeit vorbereitet wurde, die unter dem politischen Einigungsdruck der zweigeteilten Welt stand. Doch seitdem ist wenig geschehen. Von den 500 Indikatoren über die Lage der Natur in GEO 5 wiesen 495 seit 1992 eine Verschlechterung auf. 1992 hat die Erdgipfel festgelegt, dass die Treibhausgase auf das Maß zurückgeführt werden müssen, das die Erde nicht schädigt. Tatsächlich haben seit 1990 die Emissionen um mehr als 40 Prozent zugenommen.

Nichts zu sehen ist von einer Weltinnenpolitik, die in den drei großen UN-Berichten zur Sicherheit, zur Nord-Süd-Politik und zur Nachhaltigkeit gefordert wurde: Immer hieß es „Unsere Gemeinsame Zukunft“. Rio +20 war ein Gipfel der Verantwortungslosigkeit, die schon damit begann, dass die Bundeskanzlerin es nicht einmal nötig fand, an diesem Welttreffen teilzunehmen.

Das Scheitern von Rio +20 ist vor allem das Versagen der Industrieländer, die in den letzten 20 Jahren ihre Chancen leichtfertig vertan haben. Und jetzt erscheinen sie so geschwächt, dass sie nichts mehr zustande bringen. Was hat die EU in den letzen acht Monaten getan, nachdem sie auf der letzten UN-Klimakonferenz durch ihre Zusammenarbeit mit rund 150 Entwicklungs- und Schwellenländen noch große Hoffnungen auf eine Politik der Vernunft und der Kooperation geweckt hat? Die EU gehört zu den Versagern von Rio.

Haben die Länder der Dritten Welt 1972 in Stockholm, als die UN die Debatte über den globalen Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen begann, noch Angst gehabt, dass die Ökologie für die Industriestaaten der Hebel war, ihre Entwicklungs- und Wachstumschancen zu beschneiden, so hat sich das Bild in den letzten vier Jahrzehnten gewandelt. Heutzutage ruhen die Hoffnungen auf Staaten wie Brasilien, die einen eigenen sozialökologischen und demokratischen Entwicklungspfad einschlagen.

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