NaturFreunde laden ein zu Schatzsuchen vor der eigenen Haustür

Gibt es tatsächlich noch unbekannte Schätze vor der eigenen Haustür? „Ja!“, sagen die NaturFreunde Deutschlands und laden für den 8. und 9. Juni bundesweit zu öffentlichen Wanderungen, Rad- & Kanutouren durch sogenannte Natura-2000-Gebiete ein, bei denen Naturschätze erkundet werden können. Natura 2000 ist ein europaweites System von Schutzgebieten, mit dem die auch in Europa stark gefährdete Artenvielfalt bewahrt werden soll.

Alle Veranstaltungen der NaturFreunde mit Kontaktmöglichkeiten
www.kurzlink.de/Natura2000-Tage-2013

Mit bundesweit knapp 40 Wanderungen, Rad- und Kanutouren sowie mehreren Natura-2000-Festen möchten die NaturFreunde die Bevölkerung animieren, auch einmal die Schätze der Natur „vor der eigenen Haustür“ kennenzulernen.

Deutschlands Naturschätze wurden stark geplündert
Schließlich gibt es seltene Pflanzen und Tiere nicht nur im Botanischen Garten oder etwa auf Gomera: Etwa ein Viertel der rund 3.000 einheimischen Farn- und Blütenpflanzen ist stark gefährdet, knapp zwei Prozent schon ausgestorben oder verschollen; bei den einheimischen Tierarten sind über ein Drittel bedroht und drei Prozent bereits ausgestorben oder verschollen; und schon mehr als 70 Prozent der entsprechenden Lebensräume werden als „gefährdet“ eingestuft. Mit diesen Gefährdungsraten hat sich Deutschland einen ziemlich fragwürdigen Spitzenplatz in Europa erobert.

Am Wochenende werden NaturFreunde-Ortsgruppen deshalb durch Biosphärenreservate und Naturparks führen, im Nationalpark Bayerischer Wald findet eine Fortbildung zum naturverträglichen Sport statt, in der Küstenlandschaft Südostrügens eine Panoramawanderung, eine botanische Wanderung führt über Eifelwiesen, eine ornithologische um den hessischen Kinzigsee, und während im Wiehengebirge der Lebensraum von Fledermäusen erkundet wird, geht es in der NaturFreunde-„Landschaft des Jahres 2013/14: Oberrhein“ um die äußerst seltene Wilde Weinrebe. Einige Naturfreundehäuser organisieren zudem große Feste für die Artenvielfalt.

Natura Trails: sanfter Tourismus verbunden mit einer Umweltbotschaft
Viele der angebotenen Touren führen auch über die Natura Trails der NaturFreunde, in Oerlinghausen im Teutoburger Wald findet sogar die Erstbegehung des 100. Natura Trails statt. Natura Trails sind Wandervorschläge durch Natura-2000-Gebiete, die in ansprechenden Faltblättern dokumentiert sind. Diese beschreiben die Besonderheiten von schützenswerten Landschaftstypen, vermitteln Zusammenhänge über Lebensräume für bedrohte Pflanzen und Tiere und zeigen, welche Arten Wanderer oder Radfahrer erleben können. Mit den Natura Trails sensibilisieren die NaturFreunde Anwohner wie Touristen für Europas Naturschätze. Sie ermöglichen einen naturnahen sanften Tourismus in der unmittelbaren Umgebung der Menschen.

Natura 2000 ist die offizielle Bezeichnung für ein länderübergreifendes Schutzgebietssystem innerhalb der Europäischen Union, mit dessen Hilfe der Erhalt von natürlichen Lebensräumen sowie wild lebenden Tieren und Pflanzen gesichert oder wiederhergestellt werden soll. Das Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa. Vereinfacht könnte man bei Natura 2000 also auch von europäischen Naturschutzgebieten sprechen. Es umfasst die Schutzgebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiete) von 1992 und die Schutzgebiete gemäß der Vogelschutzrichtlinie von 1979 (SPA-Gebiete). Allerdings leidet Natura 2000 unter einem Vermittlungsproblem: Der Begriff ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt und wird eher mit Verboten assoziiert. Dabei schützt Natura 2000 Europas Naturschätze für unsere Kinder.

Die NaturFreunde gründeten sich 1895 in Wien und sind heute ein internationaler Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur mit rund 500.000 Mitgliedern weltweit, davon etwa 75.000 in Deutschland. Das Ziel des sozial-ökologischen und gesellschaftspolitisch aktiven Verbandes ist die gesellschaftliche Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung. Bekannt sind die NaturFreunde auch durch ihre knapp 1.000 Naturfreundehäuser, von denen allein 400 in Deutschland stehen. Sie stehen allen Menschen offen, Mitglieder erhalten Ermäßigungen.

www.natura-trails.naturfreunde.de

www.presse.naturfreunde.de

Chinesische Näher haben keine Freude an olympischen Maskottchen Wenlock & Mandeville

Die ersten Verlierer der Olympischen Sommerspiele stehen schon fest: Tausende chinesische Näher haben zum Teil mehr als 14 Stunden täglich die olympischen Merchandising-Artikel anfertigen müssen, ohne dass sie dafür einen existenzsichernden Lohn erhalten hätten. Dabei wird der zu erwartenden Umsatz mit entsprechenden Plüschtieren oder Rucksäcken auf mehr als 1,3 Milliarden Euro geschätzt.

Zwar hatte das „Londoner Organisationskomitees der Olympischen und Paralympischen Spiele“ (LOCOG) nach anhaltendem Druck von Menschenrechtsorganisationen sowie der Kampagne „Play Fair“ (www.play-fair.org) einen Musterkodex angenommen und von Lizenznehmern verlangt, dass entsprechende Prüfberichte aus den Produktionsstätten vorgelegt werden. Auch wurde ein Beschwerdeverfahren einführt, welches Betroffenen theoretisch die Möglichkeit geben sollte, gegen die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen vorzugehen.

Allerdings ist es bisher zu keiner realen Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben der Lizenznehmer gekommen, da sich das LOCOG auf die Prüfberichte der Lizenznehmer verlässt. Dabei fußen die Berichte auf meist eintägigen Betriebsprüfungen, die die Arbeitsbedingungen vor Ort kaum erfassen konnten. Zudem bestätigten viele Beschäftigte gegenüber der Kampagne „Play Fair“, dass ihnen angedroht wurde, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, sollten sie bei diesen Betriebsprüfungen die Wahrheit sagen.

Kodex für menschenwürdige Arbeit wurde nicht ausreichend überprüft
Auch für die Produktion von Wenlock und Mandeville, den beiden Maskottchen der Olympischen Sommerspiele, hatte das LOCOG zugesagt, unmenschliche und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen nicht weiter zu tolerieren. Dafür wurde ein Kodex aufgestellt, der mit dem Kodex der „Ethical Trading Initiative“ (Initiative für einen moralisch einwandfreien Handel) vergleichbar sein sollte.

Dieser Kodex sollte den Arbeitern einen existenzsichernden Lohn, gesunde und sichere Arbeitsbedingungen sowie Arbeitsplatzsicherheit garantieren, zudem das Recht, Gewerkschaften zu gründen oder sich eine Interessenvertretung zu wählen. Auch Kinder- und Zwangsarbeit sind nach dem Kodex untersagt.

Doch die Realität in den Zulieferbetrieben sieht anders aus: Die Arbeiter mussten monatlich bis zu 100 Überstunden leisten, obwohl nach dem chinesischen Gesetz nur 36 Überstunden erlaubt sind. Manche Arbeiter machten 24-Stunden-Schichten oder arbeiteten sieben Tage die Woche, wobei die gesetzlich vorgeschrieben Überstundenzuschläge verweigert wurden.

Deshalb fordern die NaturFreunde Deutschlands:

  • Das Internationale Olympische Komitee (IOK) muss endlich Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern der Merchandising-Artikel übernehmen.
  • Die nationalen Olympischen Organisationskomitees müssen bereits bei den Bewerbungen für die Olympischen Spiele verpflichtet werden, eine umfassende Überprüfung der Lieferketten aufzubauen, um unmenschliche Arbeitsbedingungen zu verhindern.
  • Alle Sponsoren-Verträge müssen so weiterentwickelt werden, dass international anerkannte Mindestnormen für Arbeitsbedingungen festgeschrieben und Sponsoren, die diese Mindestnormen nicht einhalten, von den Olympischen und Paralympischen Spielen ausgeschlossen werden.


NaturFreunde Deutschlands – auch ein sozial-ökologischer Sportverband

Die NaturFreunde sind auch ein Sportverband. Wir setzen uns ein für die Förderung des Breitensports und lehnen die ungehemmte Kommerzialisierung der großen Sportereignisse ab. Denn wir akzeptieren nicht, dass durch die Organisation derartiger Großereignisse sozial schwache Menschen noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Im Rahmen unserer internationalen Arbeit werden wir uns für eine Veränderung dieser Situation und im Rahmen der Sportbewegung für eine Abkehr von der derzeitigen Fixierung auf solche Großereignisse einsetzen.

www.presse.naturfreunde.de

NaturFreunde begrüßen SPD-Antrag „Förderung eines offenen Umgangs mit Homosexualität im Sport“

Die NaturFreunde Deutschlands begrüßen ausdrücklich, dass mit dem Antrag der SPD-Bundestagsfraktion die Debatte über Homophobie im Sport auf die Tagesordnung des Deutschen Bundestages gesetzt wurde. Dass die Regierungskoalition den SPD-Antrag abgelehnt hat, ist dabei nur noch unter taktischen Aspekten zu verstehen.

Denn Homosexualität im Sport ist weiterhin ein Tabuthema. Durch die traditionell einseitige Fixierung des Sports auf Höchstleistungen werden unterschiedliche sexuelle Orientierungen mindestens ausgeblendet, häufig sogar diskriminiert. Nicht selten sind homosexuelle Sportler und Trainer direkten Anfeindungen ausgesetzt und verbergen deshalb ihre sexuelle Identität wie auch ihre Partner. Durch diese Diskriminierungen wird das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, das im Grundgesetz im Artikel 2, Absatz 1 als unveränderbares Menschenrecht festgeschrieben wurde, eingeschränkt.

CDU/CSU-Fraktion versteht nicht die Diskriminierung im Sport
Wenn seitens der CDU/CSU-Fraktion argumentiert wird, dass „die sexuelle Orientierung zur Privatsphäre von Sportlern“ gehöre, hat die Fraktion die alltäglich stattfindende Diskriminierung im Sport nicht verstanden. Gerade im Fußball kommt es häufig nicht nur zu Beschimpfungen von einzelnen Spielern, sondern auch zu homophoben Fangesängen und gewalttätigen Übergriffen zwischen den Fans.

Ein richtiger Ansatz ist hier der von der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen in ihrem Antrag (Drucksache 16/13394) angeregte nationale Aktionsplan gegen Homophobie. Auch die Forderung, jeder gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten, ist richtig. Die NaturFreunde Deutschlands unterstützen ausdrücklich das Vorhaben, den „Nationalen Aktionsplan der Bundesrepublik Deutschland zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ um das Problemfeld Homophobie zu ergänzen.

Die NaturFreunde begrüßen auch die Zustimmung der Fraktionen Bündnis 90 / Die Grünen und der Fraktion DIE LINKE zum SPD-Antrag. Ausdrücklich unterstützen die NaturFreunde Deutschlands den Vorschlag der Fraktion DIE LINKE, dass auch die trans- und intersexuellen Sportler in einer Antidiskriminierungsstrategie entsprechend berücksichtigt werden müssen, da auch sie massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind.

Unterschiedliche Neigungen und Fähigkeiten als Bereicherung im Sport erkennen
Nur durch einen offenen gesellschaftlichen Diskurs und der Möglichkeit, sich frei und ohne Nachteile zur eigenen sexuellen Identität bekennen zu können, kann der homophoben Ausgrenzung aktiv entgegengetreten werden. Homophobe Tendenzen im Sport widersprechen einem integrativen, toleranten Sportverständnis und dürfen nicht toleriert werden. Die NaturFreunde Deutschlands treten ein für ein Sportverständnis, welches ohne jegliche Diskriminierung und Ausgrenzung auskommt: Gerade Menschen mit unterschiedlichen Ausrichtungen, Neigungen und Fähigkeiten müssen als Bereicherung im Sport erkannt und auch gefördert werden. Nicht das vermeintlich „Normale“, sondern die Unterschiedlichkeit sollten das Bild des Sportes bestimmen.

Ausdrücklich unterstützten die NaturFreunde die Forderungen an die Bundesregierung,

  • die Mittel für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) im Haushalt 2012 um 2,7 Millionen Euro auf 5,6 Millionen Euro zu erhöhen;
  • sich international dafür einzusetzen, dass jegliche sexuelle Diskriminierung im Sport aktiv angesprochen wird sowie für eine internationale Strategie zur Bekämpfung von Homophobie im Sport einzutreten;
  • auch im sportlichen Bereich aktiv für die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Identitäten und unterschiedlicher Lebensweisen zu werben und eine Kampagne „Vielfalt im Sport“ zu beginnen;
  • die positiven Erfahrungen aus der Antirassismusarbeit des DFB und der Fanprojekte aufzugreifen und diese auch auf den Bereich der sexuellen Diskriminierung zu übertragen;
  • die Förderung von Kooperationsvorhaben zwischen Lesben- und Schwulenverbänden sowie Sportvereinen oder Fanprojekten zu unterstützen;
  • Trainer durch spezielle Ausbildungskonzepte für das Thema Homosexualität und Sport zu sensibilisieren;
  • ein dezentrales Netz von Beratungsstellen der Sportverbände zu fördern, an die sich von Diskriminierungen betroffene homosexuelle Sportler wenden können;
  • wissenschaftliche Forschung über die Mechanismen von „Homophobie im Sport“ sowie mögliche Gegenstrategien, etwa im Rahmen der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld oder des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, gezielt zu fördern.

NaturFreunde: ein Sportverband für den Breitensport
Die NaturFreunde Deutschlands haben vier sportliche Fachgruppen (Bergsport, Kanusport, Schneesport, Wandern) mit 28 qualitativ hochwertigen Ausbildungsgängen, mehr als 1.000 aktiven Trainern und Tourenführern mit speziellem Sportausweis, davon etwa 240 Wanderleiter, 70 Kanusportler, 300 Bergsportler, 480 Schneesportler sowie rund 30 Skischulen.

Im Mittelpunkt des NaturFreunde-Sports steht der Mensch in seiner nachhaltigen Beziehung zu Natur und Umwelt. Unsere Sportler müssen keine Athleten sein. Teamgeist, soziale Verantwortung, Umwelt- und Naturschutz sind Kernkompetenzen unserer Arbeit.
Direkt zum Natursport der NaturFreunde Deutschlands www.natursport.naturfreunde.de

www.presse.naturfreunde.de

Sportliche Großveranstaltungen sind nur noch Profit-Center

Sportliche Großereignisse sind in den letzten Jahrzehnten zu einem immer größeren kommerziellen Geschäft verkommen. Diese Form des Spitzensports dient letztlich nur noch als Projektionsfläche für die Werbebotschaften internationaler Großkonzerne. Wir NaturFreunde Deutschlands fordern eine kritische Diskussion über den Kommerz im Spitzensport.

Die NaturFreunde Deutschlands kritisieren in diesem Zusammenhang unter anderm die Vereinigung Europäischer Fußballverbände (UEFA), die diese Entwicklung aktiv geprägt und daraus ein Milliardengeschäft entwickelt hat. Die UEFA ist heute weniger eine Sportvereinigung als vielmehr ein Großkonzern zur Erwirtschaftung von Riesengewinnen, deren Spitzenfunktionäre sich mit fürstlichen Gehältern entlohnen lassen.

Megatrend Kommerzialisierung des Sports
Die NaturFreunde Deutschlands rufen zu einem kritischen Dialog der Sportvereine mit den Spitzenverbänden der Sportbewegung auf. Der Megatrend Kommerzialisierung des Sports muss zurückgefahren werden, die Zukunft des Sports darf sich nicht nur noch um die Profite der medienwirksamen Spitzensportarten drehen.

Die Profiteure der heutigen Entwicklung sind eng miteinander verflochten. Seien es die internationalen Sportartikelhersteller wie Nike, Adidas und Puma; die global agierenden Baukonzerne und Architektenbüros; die großen Getränkehersteller wie Budweiser, Coca Cola oder Pepsi; die international agierenden Banken, Versicherungen oder Großunternehmen wie Continental: Sie alle setzen die Öffentlichkeitswirkung der sportlichen Großveranstaltungen ein für ihre kommerziellen Ziele.

Bei der Auswahl der Sponsoren spielen Menschenrechte kaum eine Rolle
Ein Beispiel für die Verquickung von Sport und Kommerz sind auch die internationalen Sponsoren für die Fußball-EM 2012. International mit dem Logo der EURO 2012 werben dürfen McDonald’s, Carlsberg, Adidas, Castrol, Coca Cola, Hyundai-Kia, Sharp, Orange, Canon und Continental. Allein von den genannten Unternehmen wird die UEFA jeweils 30–40 Millionen Euro Sponsorengelder erhalten. Als Gegenleistung dürfen die Sponsoren in einem klar geregelten Leistungspaket von der großen Öffentlichkeit um die Europameisterschaft profitieren.

Bei der Auswahl der Sponsoren geht es der UEFA hauptsächlich um finanzielle Aspekte. Menschenrechte, Gesundheits- oder auch Umweltfragen spielen nicht wirklich eine Rolle.

Die NaturFreunde Deutschlands erwarten in den nächsten Jahren eine grundsätzliche Debatte über die gesellschaftliche Aufgabe des Spitzensports. Wenn die sportlichen Großveranstaltungen immer mehr den kommerziellen Interessen weniger international agierender Großkonzerne untergeordnet werden, hat dies mit dem eigentlichen Ziel des Sports immer weniger zu tun. Zudem fordern die NaturFreunde, das „big business“ sportliche Großveranstaltungen endlich als das zu behandeln, was es ist: eine internationale Profitmaschine, die für ihre riesigen Gewinne auch entsprechend Steuern an die austragenden Staaten bezahlen muss.

NaturFreunde: ein Sportverband für den Breitensport

Die NaturFreunde Deutschlands haben vier sportliche Fachgruppen (Bergsport, Kanusport, Schneesport, Wandern) mit 28 qualitativ hochwertigen Ausbildungsgängen, mehr als 1.000 aktiven Trainern und Tourenführern mit speziellem Sportausweis, davon etwa 240 Wanderleiter, 70 Kanusportler, 300 Bergsportler, 480 Schneesportler sowie rund 30 Skischulen.

Im Mittelpunkt des NaturFreunde-Sports steht der Mensch in seiner nachhaltigen Beziehung zu Natur und Umwelt. Unsere Sportler müssen keine Athleten sein. Teamgeist, soziale Verantwortung, Umwelt- und Naturschutz sind Kernkompetenzen unserer Arbeit.

www.natursport.naturfreunde.de

www.presse.naturfreunde.de

NaturFreunde und staatliche Umweltbildungsstätten kooperieren – NaturFreunde und staatliche Umweltbildungsstätten kooperieren

In der Ausbildung von Wanderleitern und zertifizierten Natur- und Landschaftsführern wollen der Bundesweite Arbeitskreis der staatlich getragenen Umweltbildungsstätten (BANU) und die NaturFreunde Deutschlands intensiver zusammenarbeiten. Kern einer Kooperationsvereinbarung ist die Anerkennung der Wanderleiter-Ausbildung der NaturFreunde Deutschlands durch die BANU sowie die Öffnung von NaturFreunde-Fortbildungen für zertifizierte Natur- und Landschaftsführer. Zudem können die NaturFreunde jetzt Natur- und Landschaftsführer ausbilden und prüfen sowie ein stimmberechtigtes Mitglied in den Lenkungskreis der BANU entsenden.

„Die traditionell hochwertige Wanderleiterausbildung sowie die Fortbildung Natur und Umwelt der NaturFreunde Deutschlands werden nun auch von den staatlich getragenen Umweltbildungsstätten (BANU) anerkannt – und zwar bundesweit“, freute sich Reinhard Schopf, Bundesfachgruppenleiter Wandern der NaturFreunde Deutschlands. Dadurch können die rund 250 zertifizierten NaturFreunde-Wanderleiter künftig einfacher Wandergruppen durch diejenigen Schutzgebiete führen, die bisher allein den vom BANU zertifizierten Natur- und Landschaftsführern (ZNL) vorbehalten waren.

NaturFreunde und BANU bilden gegenseitig aus
„Geprüfte NaturFreunde-Wanderleiter müssen nun nicht mehr extra die Ausbildung zum ZNL durchlaufen, sondern nur noch die NaturFreunde-Fortbildung ‚Natur und Umwelt‘ sowie einen regionalen BANU-Wochenendkurs absolvieren“, erklärte Schopf die neue Vereinbarung. Im Gegenzug können sich Natur- und Landschaftsführer künftig von den NaturFreunden zum Trainer C – Wandern qualifizieren lassen, indem sie weiterführende Lehrgänge für Wanderleiter besuchen, etwa die Aufbaumodule Nordic-Walking, Gesundheit, Rad- oder Schneeschuhwandern.

Zum Botschafter der eigenen Region fortbilden
Auch dürfen NaturFreunde-Landesverbände jetzt selbst ZNL ausbilden und prüfen, sofern sie einen Kooperationsvertrag mit BANU-Einrichtungen auf Landesebene abgeschlossen haben. Denn eine wesentliche Besonderheit des BANU-Wochenendkurses ist das Regionalprinzip, welches die Voraussetzungen dafür schafft, dass sich die Teilnehmer zu „Botschaftern der eigenen Region“ entwickeln können. „In ersten Bundesländern wie Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz sind wir hier bereits auf einem guten Weg“, so Reinhard Schopf.

Ehrenamtliches Engagement im Naturschutz qualifizieren
Durch die weitreichende Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wanderleiterausbildung können beide Organisationen das ehrenamtliche Engagement im Natur- und Landschaftsschutz jetzt noch besser fördern und qualifizieren. „Durch die neue Kooperation können wir uns intensiver austauschen, gemeinsam Fortbildungen planen sowie Einsätze koordinieren“, erklärten der BANU-Vorsitzende Albert Langsdorf und Reinhard Schopf.

Die NaturFreunde Deutschlands entsenden jetzt auch ein stimmberechtigtes Mitglied in den Lenkungskreis der BANU. „Dadurch reden wir in Zukunft noch mehr mit bei der Natur- und Umweltbildung in Deutschland“, betonte Andreas Linsmeier, Mitglied im Bundeslehrteam Wandern der NaturFreunde Deutschlands und stellvertretender Landesvorstand der NaturFreunde Württemberg.

Mehr über die Ausbildungen zum Wanderleiter und zum Trainer C – Wandern der NaturFreunde Deutschlands www.wandern.naturfreunde.de

Die neue NATURFREUNDiN fragt nach Wachstum oder Nachhaltigkeit

Weiter zur NATURFREUNDiN 2-2011Am 1. Juli fällt die Wehrpflicht. Für die NATURFREUNDiN ist das ein guter Grund, im Zeitsprung an Kurt Vogel zu erinnern, der für die NaturFreunde vor 56 Jahren die Wehrdienstverweigerung propagierte und der Meinung war, die Jugend müsse zu allererst lernen, „Nein“ sagen zu können. Und im Kalenderblatt erinnert Michael Müller an den Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August 1945 und den engen Zusammenhang von ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft.

Abschalten und Umbauen gehören mehr denn je zusammen, deshalb sollen die Energiekonzerne schrumpfen und regionale und lokale Energielösungen aus Sonne, Wind, Biomasse, Erdwärme und Wasser wachsen. Wachsen und Schrumpfen gehören beide zu einem Konzept der Nachhaltigkeit, wie wir es in der Titelgeschichte dieser Ausgabe anreißen.

Wer es als „Neumitglied“ gleich zu einer ganzen Interviewseite in der NATURFREUNDiN bringt, hat etwas Besonderes zu sagen. Wer und was das ist, steht auf der Seite 9, und spätestens zwischen den Zeilen auch das Warum. Ein „Altmitglied“ merken wir für die nächste Ausgabe vor, wenn wir mit dem neuen Verkehrsminister Baden-Württembergs Winne Hermann (Grüne) sprechen wollen. Vielleicht klappt es ja künftig mit dem Radl im Regio (Seite 20).

Objektive, alpine, subjektive und – wie ich meine – auch schon mal ausgeblendete Gefahren untersuchen unsere Bergsportler auf dem Klettersteig (Seite 14) und ein „Bergführer“ aus der Ukraine im Sperrgebiet von Tschernobyl (Seite 12). Während manche den Kitzel und das Risiko suchen, verstehen sich andere zuerst als Risikomanager und dann als Bergfexe. „Berg frei“ jedenfalls heißt es nur dann zu Recht, wenn Ausbildung, Kondition und Ausrüstung stimmen. Wer dabei Orientierung sucht, ist in der NATURFREUNDiN wie bei den NaturFreunde-Sportlern insgesamt bestens aufgehoben.

Mit der „Blende 2011“ (Seite 19) beginnt ein neues Kooperationsprojekt des Naturfreunde-Verlages, das der Sozialen Fotografie bei den NaturFreunden ein weiteres Forum geben will. Und wer nicht einfacher Genosse bleiben, sondern zum Waldgenossen aufsteigen will, dem kann unsere Seite 11 weiter helfen.

Auch in der NATURFREUNDiN 2-2011: Probleme der geplanten Kohlendioxid-Verpressung, der Weg zum Wanderleiter, Kultur in Kirchenlamitz, Landesverband Saarland vorgestellt, bayerische Bürgersolaranlagen, Brutcontainer für den Eisvogel, Aktivwanderwochen 2012, Reisen, Seminare, Leserbriefe, Kleinanzeigen, Kurznachrichten, Medientipps …

www.naturfreundin.naturfreunde.de

Rassistische Einstellungen haben im Sport nichts zu suchen – NaturFreunde Deutschlands unterstützen Anti-Rassismus-Paragraphen in Stadionordnungen und Vereinssatzungen

Die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag hat den Antrag „Rechtsextremistische Einstellungen im Sport konsequent bekämpfen – Toleranz und Demokratie nachhaltig fördern“ (Drucksache 17/5045)  eingereicht. Die NaturFreunde Deutschlands begrüßen diesen Antrag, denn rassistische Entwicklungen treten in allen gesellschaftlichen Bereichen in offener oder latenter Form auf. Auch Sportvereine und -verbände bleiben hiervon nicht verschont. Faschistische oder rassistische Gruppen und Parteien suchen so häufig Anknüpfungspunkte für ihre Vereinnahmungsversuche. Dem müssen sich alle sportlich Aktiven, Vereine und Verbände aktiv entgegenstellen.

In einer ganzen Reihe von Sportarten ist seit vielen Jahren feststellbar, dass sich bei einem Teil der Fans faschistische Tendenzen zeigen – etwa in manchen Fanblöcken. Die NaturFreunde Deutschlands begrüßen deshalb die Forderung der SPD-Bundestagsfraktion, dass Verbände und Vereine auch in diesem Kontext unterstützt werden müssen und hierfür die Schaffung von dauerhaften Förderstrukturen für Initiativen im Bereich der Bekämpfung von faschistischen und rassistischen Einstellungsmustern notwendig ist.

Seit vielen Jahren arbeiten NaturFreunde auf verschiedenen Ebenen zusammen mit Fan-Initiativen wie etwa dem „Bündnis Aktiver Fußball-Fans“ (BAFF), einem bundesweiten Zusammenschluss von Fan-Initiativen und Fußballvereinen, um sich gegen den alltäglichen Rassismus zu wehren. Ein positives Beispiel für eine aktive antirassistische Arbeit im Sport sind auch die vielfältigen Initiativen der Naturfreundejugend. Ausdrücklich unterstützen die NaturFreunde die Einführung eines sogenannten Anti-Rassismus-Paragraphen in den Stadionordnungen oder Vereinssatzungen, um sich deutlich von rassistischen Vorkommnissen abzugrenzen.

Sport muss nach Ansicht der NaturFreunde Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und über nationale Grenzen bauen. Nur in einem Klima von Würde und Respekt, in dem Fairness und Toleranz im Mittelpunkt der Sportausübung steht, kann Sport eine humanistische Ausrichtung entfalten.

Ausdrücklich unterstützen die NaturFreunde auch alle Initiativen, die Verbände und Vereine, Funktionärinnen und Funktionäre und aktive Sportlerinnen und Sportler für jegliche Form von Rassismus sensibilisieren und alle am Sport Interessierten für einen aktiven Einsatz gegen Rassismus und faschistische Tendenzen gewinnen.

www.presse.naturfreunde.de

www.natursport.naturfreunde.de

In der neuen NATURFREUNDiN: der Wert einer Biene

Titelbild der NATURFREUNDiN 1-2011Was ist die Natur uns wert, hat sich die Redaktion der NATURFREUNDiN, des Mitgliedermagazins der NaturFreunde Deutschlands, gefragt: Was ist der wirtschaftliche Wert einer Biene, eines Korallenriffs, eines Naturwaldes, was ist der Wert von sauberer Luft? Ökonomen in aller Welt haben sich an die Arbeit gemacht, um die „Kosten“ zu ermitteln, wenn eine Art oder ein Biotop verschwindet. Und die NATURFREUNDiN berichtet darüber.

Denn offenbar ist dies die einzige Sprache, die Staaten und Wirtschaft in einer kapitalistischen Welt verstehen, wenn sie über die Grenzen des Wachstums aufgeklärt werden müssen. Der deutsche Politikwissenschaftler Elmar Altvater bleibt dennoch skeptisch: „Auch wenn wir eine ausgerottete Pflanzen- oder Tierart in Geld aufwiegen könnten, sind wir nicht in der Lage, sie wieder zum Leben zu erwecken.“

In Brüssel wird über die zukünftige Agrarpolitik der EU entschieden. Frankreich und Deutschland wollen die Subventionen wie bisher vor allem pro bewirtschafteter Fläche verteilen. Zu gut Deutsch: Große, umweltschädliche Agrarfabriken bekommen mehr als kleine Biohöfe. Ein breites gesellschaftliches Bündnis in Deutschland möchte aber stattdessen nur noch den Schutz von Artenvielfalt, Böden und Wasser honorieren. Tausende haben bereits in Berlin dafür demonstriert. Auch viele NaturFreunde machten mit (Seite 10).

Bis heute haben trotz Atomenergie viel zu wenig Deutsche den Stromanbieter gewechselt. Die NATURFREUNDiN erinnert deshalb noch mal daran, wie das funktioniert. Und zeigt, wie man sich der NaturFreunde-Kampagne „Ade EnBW“ anschließen und am 12. März an der Menschenkette von Stuttgart zum AKW Neckarwestheim teilnehmen kann (siehe Seiten 12 & 13).

Ins Internationale Jahr der Wälder 2011 steigt die NATURFREUNDiN mit einem Artikel über die typisch deutschen Buchenwälder ein, die bald zum „Weltnaturerbe“ gehören sollen. Die NaturFreunde engagieren sich dafür. Noch blockiert allerdings die bayerische Regierung einen Nationalpark im buchenreichen Nordsteigerwald (Seite 14).

Auch in der NATURFREUNDiN 1-2011: Gletschererlebnisse für Familien, Ausbildungstermine im Natursport, der NaturFreund und Deutsche Meister in der Kanu-Disziplin C1 Markus Hummel, der Landesverband Bremen und seine Klima-Scouts, Lebensmittelausgabe für Bedürftige im Naturfreundehaus Köln-Kalk, Geocaching mit Naturerlebnis für junge Menschen, gesellschaftspolitische Bildungsarbeit in Naturfreundehäusern, nachhaltiger und grenzüberschreitender Tourismus im ungarisch/slowakischen Karst sowie im deutsch/niederländischen Grenzgebiet, der Wald-Ästhet Curt Grottewitz, der 100. Internationale Frauentag, Reisen, Seminare, Leserbriefe, Kleinanzeigen, Kurznachrichten, Medientipps …

www.naturfreundin.naturfreunde.de

Münchner Olympia-Bewerbung überzeugt nicht – optimaler Umwelt- und Klimaschutz muss der Maßstab für Großveranstaltungen sein

In dieser Woche werden die Bewerbungsunterlagen für die 2018 in München geplanten Olympischen Winterspiele dem Internationalen Olympischen Komitee überreicht. München wird zweifellos stärker als andere Bewerberstädte darauf achten, dass es “moderne” Winterspiele werden. Doch der Maßstab der Bewertung darf nicht der Vergleich mit den anderen konkurrierenden Städten sein. Es geht bei der Münchner Olympia-Bewerbung um eine Großveranstaltung in den ökologisch äußerst sensiblen Alpen. Der Umwelt- und Klimaschutz muss heute der Maßstab für derartige Ereignisse sein.

Die Befürworter von Olympia 2018 in München und Garmisch-Partenkirchen verweisen zwar auf die Vorteile der Olympischen Spiele für das Image der Bundesrepublik: fröhliche Spiele, weltweite Aufmerksamkeit, Auftrieb für den Wintersport, Förderung des Tourismus. Sie reden aber kaum über die andere Seite, die zunehmende Zerstörung der Alpen. Dabei ist es längst nicht mehr möglich, derartige Großveranstaltungen ohne eine fundierte ökologische Bewertung zu betrachten.

Der Schutz der Alpen steht noch immer nicht im Zentrum der Diskussion. Auch bei der jüngsten Werbeveranstaltung im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF am 8. Januar 2011 spielte dieses Thema keine Rolle. Dabei sind die Alpen eine durch den Klimawandel besonders gefährdete Region, die Erderwärmung ist hier weit stärker ausgeprägt als in anderen Gebieten Europas. Die Folgen sind sowohl für die biologische Vielfalt gravierend als auch für den Wasserkreislauf: Permazonen weichen auf, Hänge rutschen, Gletscher sterben. Die wunderbare Bergwelt der Alpen ist auch das Wasserschloss Europas und reguliert Flüsse und Grundwasser.

Der Schutz der Natur darf nicht nur am Rande behandelt werden: Für uns alle ist er lebenswichtig. Bisher ist das von der Bewerbergesellschaft vorgelegte Konzept nicht überzeugend. Die Bewerbergesellschaft greift das Thema zwar auf, klebt aber nur kleine Pflaster auf die nicht zuletzt selbst erzeugten Wunden.

www.presse.naturfreunde.de

Kommerzialisierung des Spitzensports schadet dem Breitensport – auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zeigte: Allein die Schulden bleiben

Nachdem der Weltfußballverband FIFA mit der WM 2010 etwa 3,3 Milliarden Euro verdient hat, sitzt Südafrika nun auf einem großen Schuldenberg. Allein die zehn Stadien, die extra für die WM gebaut oder modernisiert wurden, verursachen einen Kostenaufwand von jährlich 150 Millionen Euro. Der Spitzensport braucht einen radikalen Umbau, denn große Sportkonzerne und Verbände wie die FIFA verdienen an der Kommerzialisierung des Spitzensportes immense Milliardenbeträge, während der Breitensport immer mehr eingeschränkt werden muss.

Würde man allein den Aussagen der FIFA glauben, war die Fußball-Weltmeisterschaft für Südafrika und den Fußballsport eine einzige Erfolgsgeschichte: Für die 64 WM-Spiele wurden 3,18 Millionen Eintrittskarten verkauft, die Bilder aus Südafrika waren harmonisch und schön.

Tatsächlich kann die FIFA mit den Ergebnissen der WM zufrieden sein: Sie machte mit der WM 2010 einen Profit von 3,3 Milliarden Euro, bei der WM 2006 in Deutschland lag der Gewinn noch bei etwa 1,9 Milliarden Euro. Für die FIFA war der Trip nach Südafrika also durchaus profitabel. Ein Skandal aber ist, dass von diesen enormen Gewinnen der Staat Südafrika keinen Cent erhält: Südafrika musste der FIFA bereits im Vorfeld der WM völlige Steuerfreiheit einräumen – wie andere Ausrichterstaaten auch.

An der WM gut verdient hat auch die deutsche Wirtschaft. Im Vorfeld der WM wurden Aufträge im Gesamtvolumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro an deutsche Unternehmen vergeben. Hier waren vor allem Großkonzerne wie Siemens (Ausbau der Energieversorgung), Daimler (neue Busse) oder die Architektengruppe „von Gerkan, Marg und Partner“ (gmp) aus Hamburg beteiligt. gmp hatte die Ausschreibungen für die Stadienentwürfe in Port Elizabeth, Durban und Kapstadt gewonnen.

Dies ist vom Prinzip nicht zu verurteilen. Nicht akzeptabel ist aber, dass die lokale Wirtschaft in Südafrika nicht im gleichen Maße von der Fußball-WM profitieren konnte. Stattdessen kosteten das Land Südafrika allein der Bau und die Modernisierung der Stadien rund 1,4 Milliarden Euro. Sehr viel Geld, das nun für andere Zwecke fehlt. Mit dieser Summe hätten in Südafrika für etwa 300.000 Menschen Sozialwohnungen gebaut werden können, um sie aus den erbärmlichen Lebensbedingungen der Slums zu holen.

nsgesamt 3,4 Mrd. Euro staatlicher Mittel wurden nach Angaben der südafrikanischen Regierung für die WM aufgewendet. Trotzdem wurden die Kosten unterschätzt, sodass Südafrika nun auf einem großen Schuldenberg sitzt. Die südafrikanische Regierung geht davon aus, dass allein die zehn Stadien, die extra für die WM gebaut oder modernisiert wurden, einen Kostenaufwand von jährlich 150 Millionen Euro verursachen werden.

Dass sich die FIFA eine „goldene Nase“ verdient, während die Ausrichterstaaten auf den Folgekosten sitzen bleiben, darf zukünftig nicht mehr hingenommen werden. Der Spitzensport braucht einen radikalen Umbau, denn große Sportkonzerne und Verbände wie die FIFA verdienen an der Kommerzialisierung des Spitzensportes immense Milliardenbeträge, während der Breitensport immer mehr eingeschränkt werden muss. Hier werden Angeboten gekürzt, auch weil Gelder für den Ausbau von Schwimmhallen und Turnhallen fehlen.

egaereignisse wie die Fußball-WM werden immer stärker an Profitinteressen und immer weniger an den Bedürfnissen des „normalen“ Sports ausgerichtet. Diese Tendenz schadet dem Sport und darf nicht weiter gefördert werden.
Die NaturFreunde Deutschlands treten dafür ein, dass in einem ersten Schritt die Gewinne solcher Großereignisse in den jeweiligen Ländern bleiben müssen und für die Förderung des Breitensportes eingesetzt werden.

Breitensportangebote der NaturFreunde Deutschlands www.natursport.naturfreunde.de

www.presse.naturfreunde.de

In der Dezemberausgabe der NATURFREUNDiN: Wir sind das Volk – wie jetzt die Energiewende trotzdem gelingen wird

NATURFREUNDiN 4-2010Das sogenannte Energiekonzept der Regierung Merkel hat die Redaktion der NATURFREUNDiN nicht mehr überrascht. Wo die Konzern-Lobbyisten ein- und ausgehen, war zu erwarten, dass ihre Interessen auch bedient werden: Laufzeitverlängerungen als Gelddruckmaschine, Gorleben als Erblast für Tausende von Generationen, scharfe Bremsen für die erneuerbaren Energien.

Darum machen wir unsere Energiewende jetzt selbst. Denn: Wir sind das Volk! Die NATURFREUNDiN zeigt die ersten zehn Schritte für eine persönliche Energiewende: vom Stromanbieterwechsel über Initiativen für eigene Stadtwerke bis zur aktiven Beteiligung an Demonstrationen und bei den nächsten Wahlen.

Denn die Energiepolitik von Merkel & Co. ist nicht zukunftsfähig. Das zeigen auch unsere Beiträge zu den Schäden durch den Uranabbau (Seite 12) sowie dem absehbaren Ende des billigen Öls, dem Schmiermittel der Globalisierung (Seiten 10–11).

Um eine gute Zukunft für alle Menschen geht es beim Alternativen Nobelpreis, dem sogenannten Right Livelihood Award. Seit 30 Jahren gibt es diesen. Der Journalist Jakob von Uexküll stiftete ihn, nachdem die Nobelstiftung seinen Vorschlag abgelehnt hatte, auch einen Preis für Ökologie und Entwicklung zu vergeben. Mit dem Preis werden Menschen geehrt, die sich für eine menschenwürdige Lebensweise einsetzen. Für seinen unermüdlichen Einsatz zur weltweiten Förderung der Solarenergie hatte 1999 NaturFreund Hermann Scheer diese Auszeichnung erhalten. Wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod im Oktober gab er der NATURFREUNDiN eines seiner letzten Interviews (Seite 25).

Die NaturFreunde haben auch ihre Sportausbildungen weiter ausgebaut und präsentieren in einem gemeinsamen Ausbildungsprogramm erstmals alle Aus- und Weiterbildungsangebote der vier Fachgruppen Bergsport, Kanusport, Schneesport und Wandern. Mehr als 1.000 hervorragend ausgebildete Trainer und Übungsleiter laden alle sportlich Interessierten ein, unsere vielfältigen Natursportangebote kennenzulernen und auch zu nutzen. Das Deckblatt und die Bestellinformationen finden Sie auf der Seite 17.

Auch in der NATURFREUNDiN 4-2010: Michael Müller über Fortschritt ohne Wachstum, Aufruf zur Demonstration für eine ökologische Landwirtschaft, Streusalz im Handel, Interview über die Arbeitsbedingungen bei Herstellern von Outdoor-Artikeln, Kletterkonzeptionen und Naturschutz, Aus- und Sportbildungstermine, alpines Wintercamp, Delikates aus dem Winterwald, mit dem Mountainbike von Naturfreundehaus zu Naturfreundehaus im Pfälzer Wald, NaturFreunde-Landesverband Thüringen, Tausende Radfahrer gegen Stuttgart 21, Naturfreundejugend Internationale und die Idee mit den Baumhäusern,  Bundesfoto-Tage 2010, Musiksommer Üdersee, sächsische NaturFreunde-Fotogruppen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Reisen, Seminare, Leserbriefe, Kleinanzeigen, Kurznachrichten, Medientipps …

PDF-Download der Dezemberausgabe der NATURFREUNDiN: www.naturfreundin.naturfreunde.de

“Unser Wald” in der neuen NATURFREUNDiN

NATURFREUNDiN 3-2010Die Septemberausgabe des Mitgliedsmagazins der NaturFreunde Deutschlands widmet ihre Titelgeschichte dem Wald im Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaftsgut und Hort des Lebens. Denn durch die zunehmende Ressourcenknappheit werden auch die Forste immer attraktiver für die Energiegewinnung.

Doch aus der Forstwirtschaft kennen wir auch das Konzept der Nachhaltigkeit als Antwort auf Kahlschlag und qualmende Kohlemeiler. Als vor rund 500 Jahren sächsischen Bergleuten das Holz zur Absicherung der Stollen knapp wurde – sie hatten jahrzentelang mehr Bäume gefällt als nachwachsen konnten – keimte auch ein neues Bewusstsein: Der Wald sollte “nachhaltend” genutzt werden. Damit war ein Begriff geboren, der heute allgemein für zukunftsfähig, sich erneuernd, den Kreislauf in Gang haltend steht. Und das forstwirtschaftliche Konzept der Nachhaltigkeit zeigt, dass selbst in einer Krise immer auch Chancen stecken.

Insofern könnte man auch die aktuelle Debatte um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten als Chance begreifen – als Chance für eine schöne Stadtwanderung mit gesellschaftsveränderndem Anspruch: „Schluss jetzt!“ lautet das Motto der Anti-Atom-Demonstration am 18. September in Berlin, zu der auch die NATURFREUNDiN  ihre Leserinnen und Leser auf der Seite 13 aufruft. Denn die NaturFreunde meinen: „Mal richtig abschalten!“ und „erneuerbar statt atomar“ sind die besten Energiekonzepte. Und wer nicht glaubt, dass die Zerstörung ganzer Landschaften zum Normalprogramm der Ölkonzerne und des fossilen Zeitalters gehört, erfährt mehr im Artikel über Ölsande auf der Seite 11. Dieser liefert dann auch eine weitere Begründung für die Notwendigkeit eines Klimagesetzes, das den Deutschen Bundestag beschäftigen soll (Seite 12).

Weitere Themen der Septemberausgabe sind Grünbrücken für den Artenschutz und Chancen für das Emschertal: Die NATURFREUNDiN hat den Vorsitzenden der Emschergenossenschaft Dr. Jochen Stemplewski gefragt, was sich in der Flusslandschaft des Jahres 2010/11 alles verändern wird. Auch Stemplewski ist NaturFreund und engagiert sich mit der Emschergenossenschaft für mehr Lebensqualität durch eine intaktere Umwelt vor Ort.

Auch dabei in der Septemberausgabe NaturFreunde Niedersachsen vorgestellt, Ausschreibung NaturFreunde-Bundeskongress 2011, Soziale Städtetour auf den Spuren Afrikas in Hamburg, Busfahrten für Wanderer, neue Ausbildungsqualifikationen im Wander-, Schnee- und Bergsport, Umweltpreis für Klimaschutzkonzept der NaturFreunde Bremen, ein grenzüberschreitender Natura Trail für Radfahrer von der Saar zum Rhein, historische Aufarbeitung im Naturfreundehaus Kirkel, Gedanken zum Welttourismustag am 27. September, Geschichte der NaturFreunde-Bewegung in Ostbayern, Reisen, Seminare, Leserbriefe, Kleinanzeigen, Kurznachrichten, Medientipps …

Die NaturFreundin finden Sie als PDF-Download unter: www.naturfreundin.naturfreunde.de

Was bleibt vom Jubel, jetzt nach der WM?

Ist die heutige Form von Großveranstaltungen wie der Fußballweltmeisterschaft noch akzeptabel? Die NaturFreunde Deutschlands treten dafür ein, dass derartige Großevents zukünftig anders geplant und umgesetzt werden: Sie müssen für die Menschen in den Austragungsländer einen realen Mehrwert schaffen und zum Beispiel zusätzliche Arbeit und Einkommen ermöglichen. Denn es ist nicht akzeptabel, dass die Internationale Föderation des Verbandsfußballs (FIFA), Großunternehmen und einige wenige Baukonzerne riesige Gewinne erwirtschaften, während die einfachen Menschen auf der Strecke bleiben.

Viele Kommentatoren beschreiben die WM in Südafrika als einen Erfolg: für das Image Südafrikas, für die deutsche Nationalmannschaft, für die Sponsoren und vor allem für die FIFA selbst. Alleine die FIFA soll durch die WM in Südafrika etwa 3,2 Milliarden Dollar verdient haben – mehr als je zuvor.

Es ist jedoch mehr als zweifelhaft, ob das Land Südafrika real von den Spielen profitiert hat. Vielmehr scheint es so zu sein, dass Organisatoren und Sponsoren die jeweiligen Austragungsländer lediglich als austauschbare Austragungskulisse für den internationalen Fußball benutzen, mit dem Milliarden Dollar erwirtschaftet werden können. Denn für die armen Menschen in Südafrika war die WM alles andere als ein Gewinn:

Durch ein völliges Straßenhandels-Verbot im Umfeld der WM-Spielorte wurden Tausende von Straßenhändlerinnen und Straßenhändlern ihre Verdienstmöglichkeiten genommen. Das von der FIFA durchgesetzte „totale Verbot des Straßenhandels“ im Umfeld der Stadien traf vor allem die Township-Bewohner, die ihr Einkommen häufig aus dem Kleinhandel beziehen. Gerade sie hätten die Touristen mit Verpflegung und Fanartikeln versorgen können – übrigens zu Preisen, die um ein Mehrfaches unter den völlig überteuerten Artikeln der FIFA-Sponsoren gelegen hätten. Doch der massive Einsatz der Sicherheitskräfte hinderte sie daran. Alleine der Sportartikelhersteller „adidas“ verkaufte weltweit über 6,5 Millionen Spielertrikots – mehr als doppelt so viele wie bei der Weltmeisterschaft in Deutschland vor vier Jahren.

Nicht etwa regionale Kriterien und soziale oder ökologische Standards zählten bei der Auswahl der Sponsoringpartner, sondern allein die Gelder für Lizenzen. Logos und Slogans der Weltmeisterschaft durften nur genutzt werden, nachdem riesige Summen geflossen waren. Diese Vorgehensweise führte beispielsweise zu folgenden Besonderheiten:

  • Die südafrikanische Handelskette „Metcash“ musste einen Lutscher aus dem Sortiment nehmen, weil auf diesem die Zahl 2010 aufgedruckt war.
  • Der internationale Konzern „Match Hospitality“, ein offizieller Fifa-Partner, reservierte im Vorfeld der WM etwa ein Drittel der Übernachtungskapazitäten und verkaufte sie mit einem Aufschlag von bis zu 1.000 Prozent weiter.
  • Die verkauften Fan-Artikel werden meist in asiatischen Kleinbetrieben und dort zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert, dann aber in Südafrika und weltweit teuer weiterverkauft.
  • Selbst der grünhaarige Leopoard „Zakumi“, das Maskottchen der WM, wurde nicht in Südafrika, sondern in China produziert.
  • Für die FIFA traten Sponsoren wie Coca Cola, McDonalds und Budweiser auf – Marken, die nicht gerade für gesunde Ernährung stehen. Dass die Sponsorengelder stimmen, scheint die Hauptsache zu sein.

Die NaturFreunde Deutschlands erwarten im Nachgang der WM eine kritischere Diskussion in den Sportverbänden über die Rolle derartiger Großevents für die Darstellung des Sports. Denn es ist nicht akzeptabel, dass der Spitzenverband FIFA, Großunternehmen und einige wenige Baukonzerne riesige Gewinne erwirtschaften, während die einfachen Menschen auf der Strecke bleiben.
Die NaturFreunde werden sich als internationaler Verband, der Angebote für Sportlerinnen und Sportler in vielen Ländern Europas organisiert, für eine Veränderung der heutigen „Ware Weltmeisterschaft“ zurück zu einem normalen Sportereignis einsetzen. Das Ziel einer fortschrittlichen Sportpolitik muss auch darin bestehen, dass durch solche Großereignisse Arbeitsplätze in den austragenden Regionen geschaffen, die angebotenen Produkte regional produziert und Löhne bezahlt werden, die existenzsichernd sind.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Fußball muss den Menschen dienen – doch die Weltmeisterschaft vergrößert die Armut in Südafrika

Die Armen in Südafrika profitieren nicht von der Weltmeisterschaft. Oft wurden Sie sogar aus den Spielorten vertrieben, um die glanzvolle Berichterstattung nicht zu stören. Dass durch die völlig kommerzialisierten Großereignisse im Sport die ohnehin schon Ausgegrenzten noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, ist nicht akzeptabel. Denn der Sport muss den Menschen dienen und darf sich nicht den Interessen von Großsponsoren und Profiteuren unterordnen.

„Die Leute, die uns die Weltmeisterschaft verkauft haben, haben uns erzählt, dass sie uns Jobs und ein Ende des Hüttenlebens bringen würde. Sie haben gelogen. Wir haben jetzt weniger Jobs und mehr Baracken als früher. Die Armen haben nichts von dieser Weltmeisterschaft. Wenn sie vorüber sein wird, werden wir immer noch in Hütten und Umsiedlungs-Lagern leben.“ Mit diesen klaren Worten hat sich die Bewegung für die Slumbewohner „Abahlali baseMjondolo“ aus Südafrika an die internationale Öffentlichkeit gewandt.

Die Aussagen machen deutlich, dass mit den schönen Bildern der Fußball-Weltmeisterschaft die Themen Armut und Verdrängung ausgeblendet werden sollen. Denn die Realität vor Ort ist so schön nicht: Mehr als 60 Prozent der Südafrikaner sind jünger als fünfundzwanzig Jahre. Fast 30 Prozent der jungen Menschen in Südafrika sind arbeitslos und ohne Perspektive. Durch das bestehende Schulsystem haben mehr als 65 Prozent aller Jugendlichen keine ausreichende Ausbildung oder sind zum Teil Analphabeten. Mehr als 30 Prozent der jüngeren Menschen in Südafrika sind zudem mit dem HIV-Virus infiziert.

Die Fußballweltmeisterschaft hat die Lebenssituation dieser Menschen in keiner Weise verbessert – sehr oft aber sogar verschlechtert. Während der Planungen der Stadien und Unterkünfte für Sportler und Touristen wurden riesige Areale bisherigen öffentlichen Raums kommerzialisiert. Vertreibungen von Armen aus den Zentren der Fußball-WM gehören zur Tagesordnung. Vor allem Straßenkinder, Arme und Obdachlose werden systematisch vertrieben, da sie die schönen Bilder der WM nicht stören sollen. Viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner haben durch diese Vertreibungen ihre bisherige Existenzgrundlage verloren. Alleine durch die Zerstörung des traditionellen Warwick Marktes in Durban wurden Hunderte von Händlerinnen und Händlern arbeitslos.

Die NaturFreunde erwarten von der Internationale Föderation des Verbandsfußballs (FIFA) und den internationalen Sponsoren, dass sie sich aktiv für eine angemessene Entschädigung der zwangsumgesiedelten Menschen einsetzen. Durch die Weltmeisterschaft werden Hunderte Millionen Gewinne gemacht.  Es ist mehr als angebracht, dass die Armen nicht auch noch schlechter gestellt werden als vor der WM. Die britische Tageszeitung The Guardian schrieb dazu in einer Reportage: „Die Rolle der Armen scheint zu sein, in Hotels, Fußballstadien und anderen Einrichtungen, die den internationalen Besuchern dienen, hart zu arbeiten. Aber nach Feierabend müssen sie die Städte verlassen und bekommen keinen Anteil am Gewinn.“

Zwar wurden den Zwangsumgesiedelten neue Wohnungen versprochen, passiert ist aber häufig nichts. Viele der Betroffenen leben noch immer in sogenannten Transitcamps, in denen es weder genügend sanitäre Anlagen noch einen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser und Elektrizität gibt. Durch die Umsiedlung wurde die Armut vieler Bewohner erheblich vergrößert, da die Camps oft weit entfernt von deren Arbeitsstätten liegen.

Die NaturFreunde erwarten, dass – nachdem alleine für den Neubau der Stadien in Südafrika mehr als 2,5 Milliarden Euro ausgegeben wurden – auch Geld für die Benachteiligten zur Verfügung gestellt wird, damit diese an ihren Wohnorten mit sauberem Trinkwasser, Elektrizität und sanitären Anlagen versorgt werden können.

Die NaturFreunde sind ein anerkannter Sportverband. Im Rahmen unserer Arbeit setzen wir uns für die Förderung des Breitensports ein. Die völlige Kommerzialisierung der großen Sportereignisse lehnen wir ab. Nicht akzeptabel ist, dass durch die Organisation solcher Großereignisse Arme und Ausgegrenzte noch weiter aus der Gesellschaft verdrängt werden. Im Rahmen unserer  internationalen Arbeit werden wir NaturFreunde uns für eine Veränderung dieser Situation und im Rahmen der Sportbewegung für eine Veränderung der derzeitigen Fixierung auf solche Großereignisse einsetzen.

Für die NaturFreunde gilt: Der Sport muss den Menschen dienen – und sich nicht den Interessen einiger Großsponsoren und Profiteure unterordnen.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Auch die Arbeiterinnen & Arbeiter in den Fußballfabriken müssen siegen

Die Weltmeisterschaft wirft ein schönes und glänzendes Licht auf den Fußballsport: Leider jedoch nur auf die Spiele – nicht aber auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Fabriken, die Fußbälle für den internationalen Markt produzieren. Denn hinter der glänzenden Fassade der Fußballwirtschaft verbergen sich Not und Armut vieler Arbeiterinnen und Arbeiter.

Die Fußbälle werden zumeist in Pakistan, Indien, China und Thailand hergestellt – in harter Handarbeit in Fabriken oder auch zuhause. Die Produzierenden müssen häufig ihre Arbeit unter unwürdigen Bedingungen durchführen. Deshalb hat das „International Labor Rights Forum“ (ILRF) einen Bericht über die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher von Fußbällen vorgelegt. Die ILRF-Studie „Missed the Goal for Workers: the Reality of Soccer Ball Stitchers in Pakistan, India, China and Thailand“ beschreibt die schockierende Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher von Fußbällen in diesen Ländern.

Für viele Arbeiterinnen und Arbeiter gibt es nur zeitweise Arbeit, die Entlohnung ist sehr niedrig und zudem sehr unterschiedlich bei Männern und Frauen. Zudem wird deren Organisation in Gewerkschaften verhindert. Gleichzeitig ist eine angemessene gesundheitliche Versorgung für viele Arbeiterinnen und Arbeiter in der Fußballproduktion aufgrund der schlechten Löhne unbezahlbar.

In Pakistan, Indien und China wird die Produktion der Bälle häufig aus den größeren Betrieben ausgelagert und in Heimarbeit durchgeführt. Auch Kinder müssen in vielen Fällen in den Familien mitarbeiten. Gerade die Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter werden sehr oft unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bezahlt. In den größeren Fabriken fehlen der Zugang zu sauberem Trinkwasser, eine grundlegende medizinische Versorgung und saubere Toiletten.

Die Analyse der Jahreseinkommen zeigt deutlich den Unterschied zwischen Profiteuren und Produzenten der Fußbälle am Beispiel des US-amerikanischen Sportartikelherstellers Nike:

Jahreseinkommen 2009 von Führungskräften bei Nike im Vergleich zu Arbeiterinnen und Arbeitern in der Fußballproduktion in Indien und Pakistan
Führungskräfte Nike: US $ 3.950.000
Näher/in Pakistan: US $ 708
Näher/in Indien: US $ 600

So lag im Jahr 2008 in Pakistan der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn für ungelernte Arbeiterinnen und Arbeiter bei etwa 74 Dollar im Monat. Viele erhalten jedoch eine wesentlich geringere Entlohnung.

In Indien erhalten Arbeiterinnen und Arbeiter teilweise nur 58 Dollar pro Monat, obwohl sie bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten müssen. Neun Prozent der Jungen und 18 Prozent der Mädchen im Alter von sechs bis 17 Jahren müssen in den Heimarbeiterfamilien ganztags für die Produktion der Fußbälle mitarbeiten. Für die Herstellung eines Balles bekommen die Kinder teilweise nur sieben Cent pro Stunde. Bei fast allen Arbeiterinnen und Arbeitern werden Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und abnehmende Sehkraft festgestellt.

In China müssen die Arbeiterinnen und Arbeiter zum Teil sieben Tage in der Woche arbeiten, in der Hauptsaison bis zu 21 Stunden am Tag. In der Pearl-River-Delta-Region wurden bis zu 232 Überstunden im Monat bei Arbeiterinnen und Arbeitern festgestellt – fast sechsmal höher als gesetzlich erlaubt. Das „China Business Journal“ berichtete, dass häufig Frauen und Kinder die Bälle herstellten und dafür nur 75 Cent erhielten. Obwohl der gesetzliche Mindestlohn bei 58 Dollar im Monat liegt, bekamen viele Arbeiterinnen und Arbeiter nur 35–40 Dollar Monatslohn.

Weil diese unhaltbaren Zustände sofort beendet werden müssen, fordern die NaturFreunde Deutschlands:

  • Alle Anbieter von Fußbällen müssen sich verpflichten, die Bezahlung des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohnes sicherzustellen und die Löhne deutlich zu erhöhen, damit ein existenzsicherndes Einkommen bezahlt wird.
  • Die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Zulieferbetrieben müssen das Recht erhalten, bei Löhnen unter dem Mindestlohn diese direkt bei den Vertriebsfirmen, beispielsweise Adidas oder Nike, einzufordern.
  • Durch intensive Kontrollen muss das Verbot von Kinderarbeit durchgesetzt werden.
  • Jegliche Benachteiligung von Frauen in der Produktion muss sofort abgestellt werden.
  • Durch eine kontinuierliche Auftragsvergabe muss die massive Mehrarbeit in der Hauptsaison reduziert und die Saisonarbeitslosigkeit vermieden werden.
  • Aufträge dürfen nur noch an zertifizierte Betriebe vergeben werden, die durch eine unabhängige Kontrollkommission überwacht werden.

Von der Internationale Föderation des Verbandsfußballs (FIFA) erwarten die NaturFreunde, dass sie die Zusammenarbeit mit allen Sportartikelherstellern einstellt, die diese Mindestbedingungen nicht erfüllen.

Die NaturFreunde Deutschlands sind auch ein anerkannter Sportverband. In unserer Organisation werden wir aktiv dafür werben, dass unsere Sportlerinnen und Sportler genau untersuchen, ob die Lieferanten von Sportartikeln ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen herstellen lassen.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de

Noch überwiegt Skepsis bei Münchens grüner Olympiabewerbung

Der nun offizielle Olympiakandidat München muss jetzt zeigen, ob die ökologische Ausrichtung seiner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 ernst gemeint ist.

Im Rennen um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018 hat die bayerische Landeshauptstadt München am heutigen Dienstag den Status eines offiziellen Kandidaten erreicht – wie auch die zwei Mitbewerber Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich). Die endgültige Entscheidung soll von der IOC-Vollversammlung am 6. Juli 2011 getroffen werden.

Das Deutsche Olympische Komitee will vor allem mit den beiden Faktoren Sportstätten und Umweltschutz punkten, die im Zentrum der deutschen Bewerbung stehen. Doch gerade bei der Umsetzung der ökologischen Ausrichtung sind die deutschen Umweltverbände skeptisch, die sich seit einiger Zeit im Dialog mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) über die Olympiabewerbung Münchens befinden.

Denn die Alpen sind eine ökologisch besonders sensible Region. Dort wird sich der Klimawandel wahrscheinlich rund doppelt so stark auswirken wie im globalen Durchschnitt. Das ist deshalb besonders problematisch, weil die Alpen gleichsam das Wasserschloss Europas sind, von dem auch große europäische Flüsse gespeist werden. Zudem ist in den Alpen die Biodiversität besonders gefährdet.

Es kann also keinen Freibrief für die Bewerbung Münchens geben. Im Augenblick überwiegt eine skeptische Bewertung. Die Münchner Bewerbungsgesellschaft und der DOSB müssen jetzt zeigen, ob die ökologische Ausrichtung der Olympiabewerbung Münchens ernst gemeint ist.

PM als PDF-Download

www.presse.naturfreunde.de